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Impfraten: „Wir brauchen das Commitment aller Akteure im Gesundheitswesen“

Es gibt viele gute Gründe für das Impfen. Doch die Durchimpfungsraten in Deutschland entsprechen nicht annähernd den Zielvorgaben der WHO oder den Empfehlungen der Epidemiologen. Ein Erklärungsversuch und eine Forderung von Prof. Dr. med. Klaus Wahle, Facharzt für Allgemeinmedizin und ehemaliges Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO).

Keine präventionsmedizinische Maßnahme hat bisher so viel Erfolg gezeigt, wie das Impfen: Impfpräventable Infektionserkrankungen nehmen nicht nur ab, viele werden gar nicht mehr gesehen und bestimmte Erreger konnten weltweit nahezu vollständig ausgerottet werden. Und dieser Erfolg wurde mit nur geringen unerwünschten Arzneimittelwirkungen erzielt.

Doch auch unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit spricht alles für das impfen. Jede durch Impfung verhinderte Erkrankung spart ein Vielfaches der möglichen Behandlungskosten.

Doch leider entsprechen die Durchimpfungsraten in Deutschland nicht annähernd den Zielvorgaben der WHO oder den Empfehlungen der Epidemiologen. Hierfür sind viele verschiedene Gründe zu benennen: Auf Seiten der Bevölkerung ebenso wie auch auf Seiten des Gesundheitssystems und der impfenden Ärzte.

Die Bevölkerung: Längst sind die Zeiten vorbei, in denen die Empfehlung des behandelnden Arztes widerspruchslos angenommen und umgesetzt wurden. Unsere Patienten sind kritischer geworden und hinterfragen immer häufiger ärztliche Ratschläge. Dazu steht ihnen das Internet zur Verfügung das sie mit mehr oder weniger ungefilterten Informationen überschwemmt, teilweise mit extrem impfkritischen Kommentaren versehen. Viele unserer Patienten sind mit der Bewertung dieser Informationsflut völlig überfordert, erkennen aber durchaus den Widerspruch zwischen ärztlicher Empfehlung einerseits und kritischer Distanzierung bzw. Ablehnung andererseits.

Das System: Das Impfen kann nur dann erfolgreich umgesetzt werden, wenn alle Beteiligten von der Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme überzeugt sind und sich dementsprechend auch verhalten. Man kann es inzwischen wahrlich nicht mehr als förderlich bezeichnen, wenn zwischen der STIKO-Empfehlung und ihrer Veröffentlichung in der Schutzimpfungsrichtlinie bzw. dem Beginn der Umsetzung etliche Monate vergehen. Es ist auch nicht förderlich, wenn in dieser Zeit kritische und teils widersprüchliche Kommentare zu den STIKO-Empfehlungen erscheinen. Ebenso wenig hilfreich ist es, wenn der Impfstoffbezug in nahezu jedem KV-Bereich unterschiedlich geregelt wird und wenn, bei Massen-Impfungen (Influenza), die Entscheidung über den zu verabreichenden Impfstoff nicht mehr bei den Impfärzten liegt. Dies führt zu Unsicherheit, Angst vor Regress und Frustration mit den Folgen nachlassender Motivation und sinkendem Interesse am Impfen.

Die Forderung: Klare und offene Kommunikation sowie vertrauensvolle Information der Bevölkerung sowie Vermeidung von Verunsicherung durch vermeintliche Experten. Eindeutiges Commitment aller Akteure im Gesundheitswesen zum Thema Impfen sowie Authentizität und die glaubwürdige Einstellung aller impfenden Ärztinnen und Ärzte.

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