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Wie der Klimawandel die Gesundheit bedroht

„Ein Kind, das heute geboren wird, wird eine Welt erleben, die mehr als vier Grad wärmer ist als im vorindustriellen Durchschnitt; der Klimawandel wird sich von der Kindheit, über die Jugend, das Erwachsenensein, bis hin ins hohe Alter auf die menschliche Gesundheit auswirken“. Das schreibt ein internationales Wissenschaftlerteam in einer Studie, die jährlich im Fachmagazin „The Lancet“ erscheint. Zum ersten Mal wurde 2019 dazu ein Deutschland-Bericht veröffentlicht. 

 

Wir teilen hier in Auszügen einen Beitrag, der in voller Länge bei pharmafakten zu finden ist.

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Die Klimakrise bedroht die Menschheit in einem noch nie dagewesenen Maße – das betrifft auch ihre Gesundheit, so die zentrale Aussage der Autoren der Lancet-Studie. „Überall auf der Welt sind es Kinder, die der Klimawandel am stärksten trifft“, schreibt das „The Lancet Countdown“-Konsortium, das 35 akademische Einrichtungen und UN-Organisationen aus allen Erdteilen vereint. Nicht nur ist die Nahrungsproduktion (Stichwort: Unterernährung) in Gefahr; Kinder leiden auch stärker unter Durchfallerkrankungen oder an dem durch Mücken übertragbaren Dengue-Fieber. Während sie heranwachsen, fügt die Luftverschmutzung – angetrieben durch fossile Brennstoffe und verstärkt durch den Klimawandel – „dem Herzen, den Lungen und allen anderen lebenswichtigen Organen“ Schaden zu.

Policy Brief: Auswirkungen des Kimawandels in Deutschland

Wie aus dem Deutschland-Bericht („Policy Brief“)  hervorgeht, ist im Vergleich zu 1971 bis 2000 bis zum Ende des Jahrhunderts mit jährlich fünf zusätzlichen Hitzewellen in Norddeutschland und bis zu 30 zusätzlichen Hitzewellen in Süddeutschland zu rechnen. Wird weiterhin „Business as usual“ betrieben und der Ausstoß der Treibhausgase nicht reduziert, „wird die Durchschnittstemperatur in Deutschland laut Prognosen um 1,0 bis 1,3 Grad bis 2050 und um 3,7 Grad bis 2100 ansteigen, verglichen mit dem Zeitraum 1971-2000.“

Gesundheitliche Auswirkungen

Hitzestress sowie hohe bodennahe Ozonkonzentrationen während Hitzewellen können gravierende Folgen für die Gesundheit der Menschen haben. „Dazu zählen unter anderem Hitzschlag, Herzinfarkt und akutes Nierenversagen aufgrund von Flüssigkeitsmangel. Am stärksten gefährdet sind ältere Menschen, Säuglinge, Patienten mit chronischen Erkrankungen sowie Personen, die schwere körperliche Arbeit im Freien verrichten, etwa Bauarbeiter“, warnen die Bundesärztekammer, Charité (Universitätsmedizin Berlin), das Helmholtz Zentrum München, das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und die Hertie School in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Bis zum Ende des Jahrhunderts werden für Deutschland 8.500 zusätzliche hitzebedingte Todesfälle pro Jahr erwartet.

Gefahr durch Infektionskrankheiten steigt

Zudem ermöglichen steigende Temperaturen auch in Deutschland die Ausbreitung von Überträgern von Infektionskrankheiten. „Das betrifft Infektionskrankheiten, die in einigen Teilen Deutschlands bereits vorkommen, wie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose, welche beide durch Zecken übertragen werden.“ Aber auch Dengue-Fieber, Zika- oder Chikungunya-Virus könnte es bald hierzulande geben. Wie das durch Mücken übertragbare West-Nil-Fieber: In diesem Jahr traten erstmals Fälle bei Menschen in der Bundesrepublik auf.

„Steigende Temperaturen verändern auch die Biologie allergener Pollen, so dass sich bei Pflanzen, beispielsweise beim Beifuß-Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia), die saisonale Dauer des Pollenfluges verlängert und die Pollenmenge ansteigt, was Asthma und allergische Reaktionen verstärkt“, heißt es in dem Deutschland-Bericht weiter. Außerdem können sich bei zunehmender Erwärmung z.B. Blaualgen und bestimmte Bakterien in Seen oder der Ostsee verbreiten. Im vergangenen Sommer kam es bei Badegästen an der deutschen Küste zu Todesfällen in Folge von Vibrionen-Infektionen.

Was die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels mit Prävention zu tun haben:

Prof. Dr. Sabine Gabrysch, Ärztin und Professorin für Klimawandel und Gesundheit an der Charité und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, betont: „Vorsorge ist besser als Nachsorge, und die beste Vorsorge bei Klima und Gesundheit ist die rasche Verringerung unseres Ausstoßes von Treibhausgasen." Sie sieht einen enormen Wert in „Win-win-Lösungen“: „Wenn wir Kohlekraftwerke abschalten und unsere Städte fahrradfreundlicher gestalten und dadurch der Autoverkehr abnimmt, nützt das nicht nur dem Klima. Diese Maßnahmen helfen auch gegen Luftverschmutzung und führen zu mehr Bewegung. Beides ist ein direkter Gewinn für unsere Gesundheit durch weniger Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen.“

 

Foto: Kandis/photocase

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