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Ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem - so sehen das Patienten (besonders in der Krise)

Christina Claußen, Direktor Patient Relations & Alliance Management, Pfizer Deutschland GmbH

„Wenn sich in den vergangenen Monaten auch viel geändert hat – das ist geblieben: Unser Austausch, mit PatientInnen und Betroffenenorganisationen. Im Gespräch mit denen, die auf das Gesundheitssystem gerade in der Krise angewiesen sind, lernt man viel über das, was Menschen am eigenen Leibe erfahren – und mithin als „Brennglas-Effekt“ bezeichnet wird: Die Probleme, der Aufholbedarf, die ausstehenden Veränderungen treten stärker hervor und zeigen die Dringlichkeit auf. Einige davon haben wir in einer „Roadmap“ zusammengefasst. Darin sind Experten aus unterschiedlichen Bereichen beteiligt und teilen ihr Wissen und ihre Erfahrungen – als Handlungsempfehlungen für ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem.“

Die technische Ausstattung des deutschen Gesundheitswesens ist in vielen Bereichen sehr altmodisch. Befunde werden per Fax rumgeschickt, Röntgenbilder auf CD gebrannt oder als Papierausdruck untersucht.

Was muss getan werden?

Die digitale Patientenakte muss endlich kommen. Es muss möglich werden, den Datenschutz zu ändern, damit Patientendaten (Befunde, Bilder etc.) ohne Zeit- und Qualitätsverlust zwischen den Arztpraxen und Kliniken ausgetauscht werden können. Faxgeräte sollten aus Arztpraxen und Krankenhäusern verschwinden. Digitalisierung!

Simone Pareigis ist Leiterin der Selbsthilfegruppe für Leukämie und Lymphompatienten in Halle an der Saale und Initiatorin des Projekts „meine.WEGA“ für die Entwicklung einer webbasierten Gesundheitsakte.

Die verschiedenen Sektoren im deutschen Gesundheitswesen stimmen sich nicht genügend ab. Hausarzt, Facharzt, Krankenhaus, Reha, Pflegedienst – jeder arbeitet am Patienten, aber in vielen Fällen hat niemand den Gesamtüberblick.

Was muss getan werden?

Häufig sind die Patienten selbst (oder ihre Angehörigen) für das Fallmanagement zuständig. Sie brauchen Unterstützung – entweder durch medizinisches Personal oder durch Hilfsmittel, die das individuelle Fallmanagement erleichtern.

Dr. Barbara Keck ist Geschäftsführerin der BAGSO Service Gesellschaft, einer Tochtergesellschaft der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e.V. (BAGSO).

Terminvereinbarungen beim Facharzt dauern zu lange. Viele Patienten warten Wochen oder Monate auf einen Termin und bekommen nicht die medizinisch notwendige Versorgung. Bei Seltenen Erkrankungen kommt hinzu, dass Betroffene in der Regel viele verschiedene Ärzte aufsuchen (müssen), um eine korrekte Diagnose zu bekommen.

Was muss getan werden?

Es muss für Patienten leichter werden, zeitnah einen Termin bei einem Spezialisten zu bekommen.

Catrin Ender ist Vorstandsvorsitzende der LAM Selbsthilfe Deutschland e.V.

In Deutschland sind viele Patienten überfordert. Sie müssen nicht nur mit ihren Krankheiten umgehen, sondern auch noch mit den Defiziten des Gesundheitswesens. Die Patienten sind ihre eigenen Fallmanager – auch wenn sie das nicht wollen oder können.

Was muss getan werden?

Gesundheitskompetenz und Patienteninformationen müssen gefördert werden, damit Patienten sich besser auskennen bei Gesundheitsthemen und ihre Interessen im Gesundheitswesen besser vertreten können.

Eva Schumacher-Wulf ist Gründerin und Chefredakteurin der „Mamma Mia!“-Krebsmagazine für Brustkrebs und Eierstockkrebs.

In Deutschland diskutieren Politiker, Ärzte und andere Experten über Reformen im Gesundheitswesen. Die konkrete Perspektive der Patienten wird dabei häufig ignoriert, weil Patienten an vielen Diskussionen und Projekten nicht beteiligt sind.

Was muss getan werden?

Die Partizipationsmöglichkeiten und Mitspracherechte von Patienten stärken – auf allen Ebenen.

Jan Geissler ist Gründer und Geschäftsführer von Patvocates, Vorsitzender des Vereins LeukaNET, Koordinator der deutschen EUPATI-Landesplattform, und Mitglied im Strategiekreis der Nationalen Dekade gegen Krebs.

Im deutschen Gesundheitswesen arbeiten zig Expertengruppen an neuen Lösungen für das Gesundheitswesen der Zukunft. Der Innovations- prozess ist zäh, umständlich und langwierig

Was muss getan werden?

Man muss nicht das Rad neu erfinden. Besser: die internationale Zusammenarbeit bei Gesundheitsfragen vorantreiben, Erfahrungen austauschen und Lösungen übernehmen, die sich im Ausland bereits bewährt haben.

Berit Eberhardt engagiert sich als Patient Advocate in Patienten-organisationen für Nierenkrebs und ist Stiftungsvorstand der International Kidney Cancer Coalition (IKCC).

Gesundheitsreformen haben häufig das Ziel, kurzfristig Geld einzusparen. Wichtig ist aber vor allem die langfristige Perspektive, damit unsere Kinder und Enkel noch ein gutes Gesundheitssystem vorfinden werden.

Was muss getan werden?

Wir müssen heute patientenorientierte Lösungen für die Gesundheitsfragen der Zukunft entwickeln, um das Gesundheitssystem nachhaltig zu stabilisieren.

Christian Schepperle ist Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Hämophiler (IGH).

Im deutschen Gesundheitswesen dauern Reformen endlos lang, sind oft zu komplex und wenig patientenorientiert. Darunter leidet die Versorgung der Patienten.

Was muss getan werden?

Die Dinge müssen sich bald ändern und nicht erst in 20 Jahren. Deshalb sollten Reformen in vielen Bereichen sofort angeschoben werden. Keine Endlos-Debatten, sondern schnelle Ergebnisse sind gefragt.

Ludwig Hammel ist Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew e.V. Bundesverband.

 

Vielen Ärzten fällt es schwer, den Patienten schlechte Nachrichten in einem angemessenen Ton mitzuteilen, und häufig fehlt auch die Zeit für längere Gespräche. Es kommt hinzu, dass Gespräche mit den Patienten im Gesundheitssystem nicht ausreichend honoriert werden.

Was muss getan werden?

Unser Gesundheitssystem ist leider so aufgestellt, dass sich die sprechende Medizin für die Ärzte nicht lohnt – das muss sich ändern. Zudem muss immer weiter die Kommunikation zwischen Arzt und Patient verbessert werden: Eine konstruktive Kommunikation wird künftig immer wichtiger, denn die Therapien werden komplexer und der Aufklärungsbedarf der Patienten steigt.

Doris C. Schmitt ist Vorstandsmitglied der Stiftung PATH und Kommunikationstrainerin für Arzt-Patienten-Kommunikation

Handlungsempfehlungen

Roadmap für ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem

ExpertInnen des Pfizer-Patienten-Dialogs erläutern, welche Änderungen und Verbesserungen im Gesundheitssystem nötig und möglich sind. Laden Sie jetzt die Roadmap für ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem herunter.

 

Foto: kaibieler / photocase.de

Kommentare

  1. Gast Brandenburg

    Wir brauchen mehr barrierefreie Praxen,damit auch Menschen mit Behinderung von der freien Arztwahl profitieren können. Oder man macht öffentlich bekannt, wo es entsprechende Schwerpunktpraxen gibt, also wo es wirklich barrierefrei zugeht.

    vor 6 Tage
  2. Anonym

    Tolle Sammlung von Ideen!

    vor 6 Tage
  3. Anonym

    Toole Sammlung von Ideen, die eigene Krankenakte auf dem Smartphone, inkl Befunde und Röntgenbilder und ähnliches ...ich kann nicht verstehen, warum das so schwierig ist, eine Corona App geht doch auch. Warum muss ich mir von meinem Hausarzt eine Überweisung holen, auf dem Papier, warum nicht ebenfalls über eine App. Ich belaste die Praxis mit Administration....Weitere Einsparungen werden wirklich "Kriminell" wie bereits geschrieben kaum ein Arzt hat wirklich Zeit um auf seinen Patienten einzugehen!! Spezialisten, die sich zum Beispiel mit Hashimoto gut auskennen, behandeln nur noch Privat. Es kann doch nicht sein, wenn ich Chronisch Erkrankt bin, dass ich keinen Arzt finde der sich mit speziellen Krankheiten auskennt und dem entsprechend Vorsorge Untersuchungen einleitet. Damit ich ein "gesundes Leben" führen kann, z.B. Kontrollen von bestimmten Blutwerten, die wichtig sind im Falle einer chronischen Erkrankung. Es gibt weiß Gott noch schlimmere Krankheiten, die mehr Aufmerksamkeit bedürfen und vor allem auch über den Tellerrand zu schauen ! Aber dafür fehlt die Zeit.....

    vor 5 Tage

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