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Strategien gegen Covid-19

Was macht Gesundheitssysteme resilient? Die OECD zieht aus den bisherigen Erfahrungen ihrer Mitgliedsstaaten erste Lehren. Eine Übersicht.

1. Erschwingliche Diagnostik und Behandlung für alle sichern

Eine Pandemie macht weder an Landes- noch Schichtgrenzen halt, deshalb ist für die Gesundheitssysteme entscheidend, die Gesundheit der gesamten Bevölkerung zu sichern.

Ein gutes Fundament dafür ist universeller Krankenversicherungsschutz, den sie meisten der Mitgliedsländer gewährleisten. Gleichwohl haben fast 30 Prozent der Menschen aus den untersten Einkommensklasse bereits vor Corona aus Kostengründen auf notwendige medizinische Versorgung verzichtet, auch in Ländern mit einem solchen Versicherungsschutz. Der Selbstbehalt ist insbesondere bei diagnostischen Tests vergleichsweise hoch – er liegt, unabhängig von Corona, im OECD-Schnitt bei 25 Prozent. Für ambulante Behandlungen zahlen Patienten indes nur 8 Prozent aus eigener Tasche.

Es war daher eine Strategie, den Zugang zu Sars-CoV-19-Tests zu erleichtern. So verabschiedeten beispielsweise die USA Mitte März ein Gesetz, dass private Krankenversicherungen die Kosten eines entsprechenden Tests ohne Zuzahlungen der Versicherten erstatten müssen. In Japan werden die Kosten für RT-PCR-Tests zu 100 Prozent von der Zentralregierung getragen. In Südkorea können sich die Menschen umsonst testen und behandeln lassen.

2. Die Kapazitäten des Gesundheitssystems erhöhen und optimieren

Mit dem sprunghaften Anstieg des medizinischen Versorgungsbedarfs, steigt auch der Bedarf an Personal, Räumen und Material. Ganz gleich, wie gut oder schlecht ihre Ausstattung mit Gesundheitspersonal vor der Krise war, versuchten die meisten Länder mit hohen COVID-19-Fallzahlen, zusätzliches Personal zu schaffen. Sie mobilisierten ehemalige medizinische Fachkräfte oder setzten militärisches Gesundheitspersonal ein. Manche Länder ziehen für bestimmte Aufgaben auch Medizinstudenten heran.

Die Aufstockung des Personals ist das eine. Seine Entlastung das andere: Apotheken in Kanada und den USA dürfen der OECD zufolge bestimmte Arzneimittel auch dann ausgeben, wenn Rezepte dafür abgelaufen waren oder nicht vorlagen. So sollte Ärzten der Rücken für dringendere Aufgaben freigehalten werden.

Um zusätzliche räumliche Ressourcen zu schaffen, nahm Japan neue Krankenhäuser früher als geplant in Betrieb oder reaktivierte kürzlich stillgelegte Kliniken. Frankreich versuchte, den sprunghaften Anstieg an klinischen Covid-19-Patienten im Osten des Landes mit Feldlazaretten abzufedern. Was die Ausstattung mit Intensiv-Betten angeht, bestehen unter den Mitgliedsstaaten sehr hohe Unterschiede: In einer vorläufigen Analyse der neuesten öffentlich verfügbaren Daten für zehn OECD-Länder hatte Deutschland mit über 33,9 Intensivbetten pro 100 000 Einwohner die größten Kapazitäten – zehnmal so viel wie Mexiko, das mit 3,3 Betten pro 100 000 Einwohner die geringsten Kapazitäten aufweist (Stand April 2020).

Als wesentliche Herausforderung für die Zukunft sieht die OECD die materielle Versorgung, etwa mit Schutzausrüstung, aber auch diagnostischen Tests oder Atemgeräten. Außerdem müsse die Verfügbarkeit wichtiger Medikamente auch im Pandemiefall sichergestellt werden. Als Positivbeispiel nennt die OECD Korea, das – durch seine Vorerfahrungen mit SARS-CoV1 und MERS – schnell und umfassend handelte. Unter anderem schuf es als erstes Land Drive-in-Testzentren und bildete ein Netzwerk aus öffentlichen und privaten Laboren zur Auswertung der Tests.

3. Digitale Daten und Tools zur Verbesserung der Überwachung und Versorgung nutzen

„Weltweite Gesundheitskrisen verdeutlichen, wie wichtig die grenzüberschreitende Verfügbarkeit kohärenter, vergleichbarer und aktueller Daten ist – auf nationaler wie internationaler Ebene“, so die OECD. Sie sieht Digitalisierung als starkes Verbesserungswerkzeug zur Erkennung, Prävention und Bewältigung von COVID-19 sowie zur anschließenden Erholung von der Epidemie. Gleichzeitig gelte es, die mit einer raschen Digitalisierung verbundenen Risiken zu steuern.

Das Spektrum digitaler Möglichkeiten reicht von Frühwarnsystemen mittels Künstlicher Intelligenz, über neuen digitale Technologien für mehr und schnellere Tests von Verdachtsfällen bis hin zur Überwachung des Ausbruchsgeschehens. Auch Telemedizin ist in einer Pandemie sehr hilfreich. Personen mit nur leichten Symptomen können von zu Hause aus ärztlichen Rat einholen. Telemedizin ist allerdings im OECD-Raum wenig verbreitet. Mit Blick auf Covid-19 haben beispielsweise Frankreich und die Vereinigten Staaten Beschränkungen im Hinblick auf die Kostenerstattung aufgehoben. Zu solch einem Ansatz gehört natürlich auch der Zugang zu Breitbandnetzen.

4. Die Erforschung und Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten durch eine effektive Politik fördern

Um rasche Forschungsfortschritte zu ermöglichen, veröffentlichten Wissenschaftler in China bereits im Januar 2020, kurz nach Ausbruch der Krankheit, die Genomsequenz des neuen Coronavirus. Privatunternehmen und öffentlicher Sektor arbeiten eng zusammen und Forscher, Health-Tech-Unternehmen sowie die forschende Pharmaindustrie ziehen an einem Strang.

Damit neue Produkte nach ihrer Entwicklung rasch verfügbar sind, sollten Regierungen beschleunigte Zulassungsverfahren für Impfstoffe und Arzneimittel ermöglichen. Für die Zulassung neuer Tests und Medikamente können Schnell- und Notfallverfahren eingerichtet werden. „Außerdem sollten die Zulassungsbehörden auf internationaler Ebene vereinbaren, ihre Anstrengungen zu koordinieren um sicherzustellen, dass keine unterschiedlichen Standards gelten und die für die Zulassung in einem Staat genutzte Evidenz auch in anderen Staaten ausreicht“, so die OECD in diesem Frühjahr.

Vorübergehend stark erhöhte Finanzierungsmittel könnten allerdings dauerhafte Investitionen zur Vorbereitung auf künftige Krankheitsausbrüche nicht ersetzen. Die OECD weist darauf hin, dass mehr als 15 Jahre nach dem Ausbruch der SARS-Pandemie im Jahr 2003 es immer noch keinen effektiven Impfstoff und keine wirksame Behandlung gibt. Die Forschung habe in den Jahren zwischen 2003 und der derzeitigen Pandemie nicht genügend Fördermittel für klinische Studien mobilisieren können. „Wenn damals ein Impfstoff gegen SARS-CoV-1 entwickelt worden wäre, hätte die Entwicklung eines Impfstoffs gegen die derzeitige Pandemie schneller voranschreiten können“, kritisiert die OECD. Daher sollte über neue Anreizmechanismen wie globale Innovationsfonds, ein Bonussystem für den Markteintritt und frühzeitige Kaufzusagen nachgedacht werden.

Copyright Artikelfoto: ChrisBerlin / photocase

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