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„Mehr Enthusiasmus, bitte!“ Prof. Dr. Christof von Kalle

Die Krebsmedizin hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht: Neue Medikamente wirken gezielter oder bringen das Immunsystem dazu, Tumorzellen anzugreifen. Doch viele befürchten, dass der Fortschritt nicht auf Dauer finanzierbar ist, weil die neuen Krebsmedikamente unser Gesundheitssystem zu stark belasten. Ein Gespräch mit Professor Dr. Christof von Kalle, Leiter der Abteilung „Translationale Onkologie“ am  Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg.

 

Herr von Kalle, was stört Sie an der Diskussion über neue Krebsmedikamente?

Von Kalle: Wenn ein neues Medikament auf den Markt kommt, diskutiert die Öffentlichkeit oft erst einmal nicht voller Enthusiasmus, dass es das neue Medikament gibt, sondern es entsteht eine Diskussion darüber, dass demnächst das Gesundheitssystem kollabiert, weil die Behandlung von Krebspatienten so teuer ist.

 

Die Behandlung kostet ja auch wirklich viel Geld …

Ja, aber ich habe mir einfach mal die Zahlen angeschaut, die wir für die Behandlung von Krebspatienten  in Deutschland ausgeben. Ungefähr die Hälfte aller Bürger ist irgendwann im Leben von einer Krebserkrankung betroffen, ein Viertel stirbt daran. Im Vergleich dazu geben wir gerade mal ein Fünfzehntel unserer Aufwendungen für die Behandlung von Krebs aus.

 

Aber wird es nicht immer mehr?

Nein, diese Rate ist über die vergangenen zehn Jahre sehr konstant geblieben, wie auch der Anteil der Krebsmedikamente an den gesamten Medikamentenausgaben. Wenn man das noch weiter herunterbricht auf die patentgeschützten Krebsmedikamente, also „die teuren, neuen“, dann sind es sogar nur ein Prozent oder noch weniger unserer gesamten Gesundheitsaufwendungen in Deutschland.

 

Es besteht aus Ihrer Sicht also kein Grund , sich Sorgen um die Finanzierbarkeit des deutschen Gesundheitssystems aufgrund von Krebsmedikamenten zu machen?

Jedenfalls nicht, wie ich es im Moment sehe. Selbst wenn sich unsere Aufwände  für die Krebstherapie insgesamt verdoppeln, können wir das noch stemmen.

 

Wie groß ist denn Ihr Enthusiasmus über die neuen zielgerichteten Krebsmedikamente und der Immuntherapeutika?

Ich glaube, wir müssen deutlicher transportieren, dass wir heute tatsächlich erheblich mehr machen können in verschiedenen Erkrankungsgebieten als es noch vor vier oder fünf Jahren der Fall war. Insgesamt hat es sich positiver entwickelt, als ich das etwa zu Beginn meines Studiums erwartet hätte. Und es ist ja im Moment noch sehr viel in der Pipeline, und es laufen noch viele sehr frühe präklinische Studien, deren Ergebnis wir noch gar nicht kennen. Insofern gibt es auch eine gewisse Vorfreude darauf, auch wenn nicht alles gelingen wird, dass hoffentlich noch das eine oder andere hinzukommen wird.

 

Wo liegen denn die größten Hoffnungen? Auf den zielgerichteten Therapien? Der Immuntherapie? Einer Kombination aus beidem?

Ich glaube, es werden Kombinationen sein, sowohl aus unterschiedlichen Immuntherapien, als auch aus zielgerichteten Therapien in Kombination mit Immuntherapien. Ich denke, wir werden eine Reihe von zunehmend intelligenteren Kombinationen bekommen, intelligent in dem Sinne, dass wir auch verstehen, was wir tun, aber wir werden auch noch einmal neue Substanzgruppen sehen, die bisher nur in der Theorie oder in präklinischen Experimenten funktionieren, und dann später hoffentlich auch in der Praxis.

 

 

Kommentare

  1. Joelle R.

    Big Pharma immer gieriger. Die Politiker korrupt oder machtlos. Die Forschung gelenkt oder abgelenkt. Unabhängige Forschung tut not. Gute Therapien und Medikamente müssen Platz machen für Neue und sehr Teuere deren Nützen noch nicht sicher ist. Wo bleibt Ethik?
    Ich sehe schwarz und habe null Vertrauen.

    vor 6 Monate
  2. Redaktion

    Hallo Joelle R., das sind viele Vorwürfe auf einmal. Unstrittig ist, dass sich die Überlebenszeit bei Krebs deutlich verlängert hat, früher sind zwei von drei Krebspatienten innerhalb von drei Jahren gestorben, heute überleben zwei von drei Krebspatienten mehr als fünf Jahre. Und: Medikamente, die seit Jahren bewährt sind, werden nicht verdrängt, sondern durch neue, zielgerichtete Medikamente ergänzt. Im Sinne einer Diskussion darüber laden wir Sie gerne ein, einige Argumente auszuführen. Viele Grüße
    Das Redaktions-Team

    vor 6 Monate
  3. Horst Scholz

    Guten Tag, es wird sehr viel gutes über die bitteren Aprikosenkerne geschrieben, sodass es auch eine Therapie mit Laetrile gibt, welche die Krankenkasse auch bezahlt, sollte es der behandelnde Arzt für notwendig erachten. Was in der Welt spricht gegen den Verzehr solcher Kerne in einem bestimmten Rahmen? An dem Bitterstoff oder der Blausäure kann es nicht liegen. Vielen Dank und Grüße

    vor 2 Monate

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