Sorry, you need to enable JavaScript to visit this website.

Ambulante Versorgung - was lässt sich aus anderen Ländern lernen?

Muss alles, was neu ist, erst erfunden werden? Sicher nicht. Modelle zur ambulanten Versorgung aus anderen Ländern haben sich Teams bei einem Think Camp der Stiftung Münch genauer angesehen und drei interessante Modellprojekte für eine bessere ambulante Versorgung entwickelt.

1. Der Gesundheitsassistent im Kiosk: Grundversorgung in Schule oder Bibliothek

Angesichts eines drohenden Ärztemangels insbesondere im ländlichen Raum wurde dieses Modellprojekt zur ambulanten Versorgung entwickelt. Das Herzstück der Patientenversorgung ist dabei ein sogenannter „Kiosk“, der mit einem Gesundheitsassistenten besetzt ist. Der Assistent kann hausärztliche Basisaufgaben selbstständig durchführen, etwa Erstgespräch, Vorsorgeuntersuchungen, Verlaufskontrollen bei chronischen Krankheiten sowie die Ausstellung von Rezepten und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen.

 

Der Kiosk kann sich an verschiedenen Orten befinden, zum Beispiel in einer Schule oder einer öffentlichen Bibliothek, und ist mit Geräten der medizinischen Grundversorgung ausgestattet.

 

Wenn der Gesundheitsassistent einem Patienten nicht weiterhelfen kann, besteht die Möglichkeit, mit Hilfe von Telemedizin den Hausarzt zu konsultieren. Dieser entscheidet als Gatekeeper über das weitere Vorgehen und kann den Patienten in seine Praxis bestellen oder an den Facharzt oder das Krankenhaus überweisen.

 

Das Projekt greift die Erfahrungen anderer Länder auf: So wurde in Schweden erstmals im Jahr 2014 ein sogenannter Virtual Care Room als Pilotprojekt eingerichtet. In England spielt die Telemedizin schon seit 2011 eine Rolle und wird von zahlreichen – auch deutschen – Patienten genutzt.

 

Eine ausführliche Beschreibung des Modellprojekts lesen Sie hier.

2. Medizinische Versorgungszentren unter der Leitung von Genossenschaften: MVZ+

Ein Beitrag zur möglichen Verbesserung der ambulanten Versorgung in urbanen und ländlichen Gebieten ist das Konzept „MVZ+“ (Medizinische Versorgungszentren). Dazu wird ein in Deutschland bereits bestehendes Konzept der ambulanten Versorgung aufgegriffen und weiterentwickelt.

 

Als Dachverband mehrerer MVZ in einer Region sollen Genossenschaften gegründet werden, die für die Verwaltung der MVZ zuständig sind. Die Genossenschaften können Budgets und Selektivverträge mit Krankenkassen verhandeln und Skaleneffekte im Einkauf erzielen.

 

Das MVZ bietet Arbeitsplätze für verschiedene Professionen, die unter einem Dach zusammenarbeiten. Die Arbeitsprozesse werden ähnlich wie beim niederländischen „Buurtzorg“-Prinzip organisiert, d.h. die behandelnden Teams erhalten sehr viel eigenen Spielraum. Vorstellbar ist auch eine Entwicklung neuer Berufsbilder, die eigenverantwortlich diagnostische und therapeutische Entscheidungen treffen und die Arbeit der bestehenden Heilberufe entlasten.

 

In ländlicher Umgebung werden die Patienten zusätzlich durch mobile und telemedizinische Angebote versorgt, die in vielen Ländern, zum Beispiel der Schweiz, bereits erprobt und evaluiert wurden. Mobile Physician Assistants und Pflegekräfte fahren mit Primary Care Units in die Dörfer und können, falls nötig, einen Spezialisten telemedizinisch hinzuschalten.

 

Eine ausführliche Beschreibung des Modellprojekts lesen Sie hier.

 

 

 

Brain Snack der Stiftung Münch: Auseinanderbrechen der bisherigen Versorgungskette - Supermarkt statt Arztpraxis? Gesprächspartner: Dr. Andy Fischer, Mitgründer Medgate

play Created with Sketch.

 

 

3. Neue Berufsbilder im Gesundheitswesen: Physician Assistant, Community Nurse, Advanced Practice Nurse

Durch die Einführung von neuen Gesundheitsfachberufen soll eine bessere Patientenorientierung und Behandlungsqualität erreicht werden.

 

Eine wichtige Rolle spielt dabei das neue Berufsbild „Physician Assistant“. Eine solche Fachkraft kann einfache Untersuchungen und Behandlungen eigenverantwortlich durchführen und dadurch die Arbeit von Ärzten ergänzen und sie entlasten. In den USA und in den Niederlanden gewinnt der Beruf seit einigen Jahren zunehmend an Bedeutung. In Deutschland kann man sich seit 2005 nach abgeschlossener medizinischer Berufsausbildung durch ein Bachelorstudium zum Physician Assistant qualifizieren. Doch bislang ist ein Studium nur an wenigen Standorten möglich.

 

Eine weiterer Lösungsansatz für eine bessere Versorgung: Pflegende als Praxiskoordinatoren im ambulanten Bereich. Alternative Bezeichnungen für diese Rolle: „Community Nurse“ oder „Advanced Practice Nurse”. In den skandinavischen Ländern sind sie bereits erfolgreich etabliert: Die Community Nurse ist für Patienten die erste Anlaufstelle im ambulanten Bereich mit eigener Sprechstunde. Sie fungiert als Gatekeeper und organisiert Überweisungen in ein Krankenhaus oder zum Facharzt.  

 

Um diese Funktion ausfüllen zu können, müssen Pflegende in der Lage sein, komplexe Gesundheitsprobleme zu analysieren. Die hierzu nötigen Kompetenzen sind nur im Rahmen eines Studiums vermittelbar. Es erscheint daher unabdingbar, den Pflegeberuf zu akademisieren.

 

Eine ausführliche Beschreibung des Modellprojekts lesen Sie hier.

 

 

 

Foto: Mr. Nick/Photocase

Kommentare

  1. Petra Leonards

    Von diesem Vorhaben halte ich gar nichts, denn es läuft darauf hinaus, es Patienten zu erschweren, zum Hausarzt (vom Facharzt gar nicht zu reden) zu gelangen. - Es ist zu befürchten, dass Assistenten beginnende ernsthafte Krankheiten nicht erkennen können. - Längere Wartezeit auf einen Facharzt-Termin durch Vorschalten einer weiteren Instanz. - Wir zahlen immer mehr für die Gesundheitsversorgung, aber der Service wird weniger, zu Ungunsten der Patienten. - Und was ist mit dem Datenschutz?

    vor 2 Wochen

Ihr Kommentar

Wollen Sie namentlich in der Diskussion genannt werden?

Schliessen Kreuz Created with Sketch.

Regelmäßige Neuigkeiten aus dem Land der Gesundheit