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Dr. Peter Kölln

Gesundheitskompetenz

Gesundheitskommunikation mit Männern ist wie ein Boxkampf

Männer sagen von sich, es gehe ihnen gut, auch wenn sie objektiv betrachtet gar nicht so fit sind. Bei Frauen ist es umgekehrt. Was steckt dahinter?

Dr. Peter Kölln: Der Mann will seine Schwäche nicht zeigen. Auf die bedürftige Schiene zu kommen, ist für ihn überhaupt erst seit ein paar Jahren möglich, für viele geht das jedoch nach wie vor noch nicht. Früher gab es eine Art Werkstolz, man war stolz auf sich und die geleistete Arbeit. Heute gibt es eher den Erschöpfungsstolz, der es dem Mann auch mal ermöglicht, Schwäche zu zeigen, ohne gleich als Waschlappen abgestempelt zu werden. Andererseits sind die Männer da wieder so unterschiedlich und vielschichtig, dass es eigentlich unseriös ist, von „dem Mann“ zu sprechen.

 

Als Werksarzt erleben Sie viele Männer und ihre Haltung zur Gesundheit. Was fällt Ihnen auf?

Dr. Kölln: Dass viele Männer das Thema Gesundheit oberflächlich gesehen leicht und locker abtun, obwohl eine gewisse Bedürftigkeit da ist. Die kommt erst in der direkten, geduldigen Ansprache zutage.

 

Wie sieht diese Ansprache aus?

Dr. Kölln: So individuell, wie die Männer sind. Etwa 70 bis 80 Prozent der erfolgreichen Gesundheitskommunikation mit Männern macht die Beziehungsebene aus. Erst wenn die aufgebaut ist, kann ich mit medizinischen Methoden und Aussagen kommen. Und ich glaube, man muss selbst ein Mann sein, um eine solche Ebene herzustellen. Ich vergleiche die Gesundheitskommunikation mit Männern immer mit einem Boxkampf. Man tänzelt umeinander herum, offenbar schlagkräftig, aber doch beobachtend, abwartend. Hinzu kommt, dass Männer im Gegensatz zu Frauen sehr hierarchisch denken. Wenn einer ein gewisses Standing hat, kann er sich mehr erlauben und Dinge aus- und ansprechen, die ein anderer nicht sagen dürfte.

 

Krankenkassen wollen mit bezahlten Yogakursen oder Bonuspunkten ihre Mitglieder zum gesunden Leben ermuntern. Zieht das bei Männern?

Dr. Kölln: Zumindest die Bonushefte sind wie für sie gemacht, um wieder im unangebrachten Stereotyp zu bleiben. Männer wollen den Stempel haben, gezahltes Geld durch ausreichende Nutzung reinholen, solche Sachen. Da sind wir sehr kindisch, und das sollten sich Krankenkassen zunutze machen. Gesundheit muss für Männer greifbar werden: In meiner Praxis frage ich bei Männern die Gesundheitsfakten per Fragebogen ab, ich frage zum Beispiel nach dem subjektiven Eindruck ihrer Gesundheit, sie können dann angeben: super, gut, schlecht, ganz schlecht. So erzählen sie viel mehr, als wenn ich direkt frage, und oft entwickelt sich noch ein Gespräch daraus. Ohne den Fragebogen würde ich viele Dinge nicht herausbekommen. Check-ups, Punkte, Zahlen – das mögen Männer. Sie müssen es so konkret wie möglich haben.

 

Wie sollten Gesundheitskampagnen aussehen, damit sie Männer erreichen?

Dr. Kölln: Zahlen sind wie gesagt ganz wichtig. Und dann sollten sich die Macher solcher Kampagnen einfach intensiv in der Werbung umschauen und inspirieren lassen. Werbung ist von Männern für Männer gemacht. Ich sage immer: Macht endlich Gesundheitswerbung im Sinne von Hornbach. Gesundheitsprojekt statt Bauprojekt. Gesundheit müsste dreckiger aussehen, die ist in den bisherigen Kampagnen viel zu sauber und zu weich. Und: Gesundheit ist ein Gruppending. Männer lassen sich mitziehen. Sie kommen erst in Gruppen oder zu zweit, machen ein paar blöde Sprüche. Aber dann kommen sie teilweise einzeln zurück und sind interessiert. Wichtig ist auch, dass man ihnen die Möglichkeit einräumt, spontan zu kommen. Wenn wir einen Infostand mit Gesundheitschecks irgendwo haben und sagen, das ist mit Anmeldung im Vorfeld, kommt keiner. Wenn wir es offen lassen, schauen deutlich mehr vorbei.

 

Und wie müssten Gesundheitsinformationen gestrickt sein?

Dr. Kölln: Wenn wir das wüssten. Einfach die vorhandenen Informationen und Texte nehmen und das Papier schwarz machen ist jedenfalls keine gute Lösung. Klare, pragmatische Anleitungen, dann vielleicht noch Beispiele, Berichte von anderen Männern. Von Mann zu Mann, das könnte funktionieren. Ich glaube, wir brauchen mehr Plakatives, mehr Parolen. Aber es ist natürlich schwierig, das so pauschal zu sagen, jeder Mann wird sich von etwas anderem angesprochen fühlen. Insgesamt gilt aber: Man muss sich mehr trauen.

 

Literaturtipp: Peter Kölln „Männer im Betrieb(s)Zustand. Der Praxisratgeber zur Männergesundheit.“ 2014

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