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Willkommen in der Zukunft?

In Zweiflingen und Spiegelberg könnte die Zukunft der hausärztlichen Versorgung auf dem Land gerade begonnen haben: eine Arztpraxis ohne Arzt. Wobei das Wort „ohne“ nur für die physische Präsenz gilt, denn der Arzt wird während der Sprechstunde über einen Bildschirm zugeschaltet. Er ist somit anwesend und ansprechbar für die Patienten – aber eben nur virtuell im Rahmen einer Televisite.

Die Idee und das Konzept der „OhneArztPraxis“ stammen von Dr. Tobias Gantner, Mediziner, Jurist und Gesundheitsökonom (im Bild) und Florian Burg, Gesundheitsökonom und Informatiker. Beide sind auf dem Land aufgewachsen und kennen die medizinischen Versorgungslücken im ländlichen Raum aus eigener Erfahrung. Für Gantner ist die Praxis ohne Arzt ein Zukunftsmodell: „Wir nutzen die Möglichkeiten der Telemedizin, um die Versorgung im ländlichen Raum zu verbessern.“

Foto: Ira Kaltenegger

Neue Rollenverteilung – Assistenzkräfte mit Zusatzausbildung übernehmen Teile der Versorgung

Das Problem ist seit Langem bekannt: Angesichts des zunehmenden Ärztemangels im ländlichen Raum sind neue Lösungen für die medizinische Versorgung gefragt. Aber wer kann den klassischen Landarzt ersetzen? In der OhneArztPraxis sind daher eigens dafür qualifizierte Assistenzkräfte. Medizinische Fachangestellte (MFA) und Pflegekräfte mit Zusatzqualifikationen die ersten Ansprechpartner für die Patienten.

Der Anspruch: „Die OhneArztPraxis bietet eine medizinische Grundversorgung und übernimmt einen großen Teil der Funktionen einer normalen Hausarztpraxis.“ Dr. Tobias Gantner

Die Aufgabenteilung in der OhneArztpraxis sieht dann so aus: Die Assistenzkräfte führen grundlegende diagnostische Untersuchungen durch und entwickeln bei vielen Erkrankungen selbstständig einen Behandlungsplan. Der Arzt ist als Kontrollinstanz beteiligt, er verfolgt die Sprechstunde am Bildschirm, gibt Anweisungen und steht für Fragen bereit, wenn schwierige therapeutische Entscheidungen anstehen. Auch für die Verschreibung von rezeptpflichtigen Medikamenten und für Überweisungen zum Facharzt trägt weiterhin der Arzt die Verantwortung.  

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Video-Sprechstunde wird normaler Teil der Versorgung

Auf dem weiteren Behandlungsweg spielt der digitale Arzt-Patienten-Austausch eine zentrale Rolle. Seit Kurzem haben Ärzte die Möglichkeit, ihre Fernbehandlungen mit den Krankenkassen abzurechnen. Das Konzept der OhneArztPraxis sieht vor, dass die Patienten über eine Televisite von einem Arzt aus der Region, ihrem eigenen Hausarzt, der für Patienten bei Bedarf auch persönlich erreichbar ist, begleitet werden.

In der Praxis: Zwei Pilotprojekte in Baden-Württemberg

Seit Oktober wird das neue Modell in zwei Gemeinden in Baden-Württemberg erprobt. In Spiegelberg im Rems-Murr-Kreis und in Zweiflingen im Hohenlohekreis eröffneten im Oktober 2019 die ersten beiden OhneArztPraxen. Beide sind mit besonderen telemedizinischen Geräten ausgestattet, die es den Ärzten ermöglichen, nicht nur eine Video-Sprechstunde, sondern auch zahlreiche diagnostische Verfahren telemedizinisch durchzuführen.

 

Zwei Jahre lang soll das neue Modell nun erprobt und evaluiert werden. Und während die Evaluationsphase gerade erst losgeht, überlegt Gantner schon, wie man die Angebote der OhneArztPraxis künftig weiter ausbauen könnte: „Wir könnten neben den Hausärzten auch Fachärzte per Video zuschalten.“ Für die Patienten auf dem Land wäre auch das ein attraktives Angebot, meint er, denn für einen regulären Termin beim Facharzt muss die Landbevölkerung häufig sehr weit fahren – nicht nur in die Nachbargemeinde, sondern in die nächstgelegene Großstadt. „Ein telemedizinisches Angebot vom Facharzt wäre für viele eine große Erleichterung.“

 

 

Foto: testfight/photocase

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