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Impfen: Evidenz vs. Fake

Wer sich über das Impfen informieren will, stößt schnell auf falsche Informationen. Ein Grund für viele Menschen, sich nicht impfen zu lassen. Doch es gibt Möglichkeiten, entgegenzuwirken.

 

Mit freundlicher Genehmigung des Deutschen Ärzteverlages teilen wir hier in Auszügen Erkenntnisse über Impfskepsis und erwiesenermaßen gute Möglichkeiten, dieser in der Arzt-Patienten-Kommunikation wirksam entgegenzutreten. Der vollständige Text ist auf der Website des Deutschen Ärzteverlages zu finden und ist Teil der Kampagne „Ich bin geimpft! Und Sie? Lassen Sie uns reden!“ des Deutschen Ärzteverlages. Gemeinsam mit Prof. Cornelia Betsch, Professorin für Gesundheitskommunikation an der Universität Erfurt, und Dr. Eckart von Hirschhausen hat das Deutsche Ärzteblatt evidenzbasierte Empfehlungen zusammengestellt.

Impfskepsis: Woher sie kommt, wie sich verbreitet und manifestiert

Je mehr Personen in einer aktuellen Studie angaben, eigene Informationen zur Risikoabwägung zu suchen (calculation), desto eher waren sie dem Impfen gegenüber abgeneigt. Dies liegt an Falschinformationen und Mythen, die im Internet leicht verfügbar sind und auch auf dem Büchermarkt große Verbreitung finden. Mythen zu korrigieren ist eine große Herausforderung, denn bloßes Widersprechen kann dazu führen, dass der (falsche) Glaube daran noch verstärkt wird.

Aktuelle Arbeiten zeigen, dass die Techniken, mit denen wissenschaftliche Befunde geleugnet werden, in verschiedenen Wissenschaftsbereichen dieselben sind (Impfen, Klimawandel). So zeigt sich, dass Impfgegner typischerweise

  • die Faktenlage in einer verzerrten Weise darstellen und falsche Schlüsse ziehen (misrepresentation, false logic);
  • 100%ige Sicherheit von Impfungen fordern (impossible expectations);
  • Verschwörungen von Industrie und Gesundheitsorganisationen vermuten (conspiracy theories);
  • spezifische Datenpunkte aus der Gesamtheit der vorhandenen Datenmenge selektieren (cherry picking);
  • Personen rezitieren, die aufgrund ihrer wissenschaftlichen Ausbildung und/oder ihrer Befangenheit nicht als Experten für Impfstoffsicherheit und Effektivität gelten (fake experts).
Argumente von Impfgegnern – und gegen sie

Selten wird in Aufklärungsmaterialien oder in Gesprächen auf derartige Techniken der impfskeptischen Argumentation hingewiesen. Studien zeigen allerdings für Debatten (zum Beispiel in Radio oder Fernsehen), dass eine Aufklärung über die verwendete Technik dazu führen kann, dass Impfgegner einen geringeren Einfluss auf die Impfbereitschaft haben.

Das Robert Koch-Institut (RKI) und das Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) haben eine Argumentationshilfe gegen die 20 häufigsten Einwände gegen das Impfen veröffentlicht.

5 Schritte im Arzt-Patienten-Gespräch, die zu mehr Impfbereitschaft führen können.

Einstieg: Heute ist Ihre Impfung fällig. Dieser Einstieg führt zu einer höheren Impfbereitschaft als wenn Sie fragen, ob der Patient heute eine Impfung möchte. Sie gehen so davon aus, dass Impfen der Standard ist. Dies gibt den Patienten Sicherheit – und erlaubt ihnen immer noch, nachzufragen oder nein zu sagen.

Schritt 1: Empathie zeigen und Glaubwürdigkeit schaffen. Hier gilt es, gemeinsame Werte zu betonen und zu zeigen, dass Sie zuhören. Statt zu sagen: „Ich verstehe, dass Sie Bedenken haben, dass die Grippe-Impfung Grippe auslösen könnte“ können Sie darauf aufbauen, dass Ihrem Patienten Gesundheit wichtig ist: „Ich nehme wahr, dass es Ihnen wichtig ist, nicht die Grippe zu bekommen und gesund zu bleiben.“

Werden spezifische Bedenken geäußert, sollte man um die Erlaubnis fragen, Informationen zu teilen – so überwältigen Sie den Patienten nicht und gehen wertschätzend mit seinen Ängsten und Zweifeln um: „Ich habe mit Influenza viel Erfahrung. Darf ich mit Ihnen teilen, was ich daraus gelernt habe?“

Schritt 2: Kurz die Bedenken adressieren – wenn welche geäußert werden. Hier gilt das Prinzip weniger ist mehr, denn kurze und verständliche Erklärungen wirken besser als lange und detaillierte Ausführungen. Adressieren Sie nur die Bedenken, die aktiv geäußert werden und bringen Sie keine weiteren auf. Streiten Sie nicht, hören Sie zu und geben Sie kurze Antworten.

Schritt 3: Krankheitsrisiken erklären. Impfpräventable Erkrankungen treten heute nur noch selten auf, daher wissen viele Menschen nicht mehr, wie schwerwiegend sie sein können. Daher müssen diese Risiken auch kommuniziert werden. Das Ziel ist hierbei nicht, den Patienten zu verängstigen. Es geht darum, die Diskussion weg von den Mythen zu lenken und hin zur Diskussion über die Krankheit, die man gemeinsam verhindern will. Hier hilft auch ein Hinweis auf mögliche Folgeerkrankungen wie Sepsis oder ein erhöhtes Herzinfarktrisiko nach Influenza.

Schritt 4: Effektivität von Impfungen als Schutz vor der Erkrankung vermitteln. Wenn Sie über das Risiko durch die Erkrankung aufgeklärt haben, ist es wichtig, eine effektive Gegenmaßnahme zu präsentieren – dies stärkt die Handlungsbereitschaft. Daher sollte nun betont werden, dass die Impfung die Erkrankung sehr effektiv und sehr sicher verhindert.

An dieser Stelle ist es auch relevant, auf den sozialen Nutzen der Impfung hinzuweisen: Denn wenn Personen erfahren, dass sie mit ihrer Impfung auch andere mitschützen können, die dies selbst nicht können, macht sie dies impfbereiter.

Schritt 5: Eine starke persönliche Empfehlung. Ärzte sind die Vertrauensperson Nummer 1 für ihre Patienten, deren Empfehlungen einen großen Effekt haben können. Beschließen Sie daher den Dialog mit einer starken, persönlichen Empfehlung.

Ausblick: Den Dialog offen halten. Manche Patienten entscheiden sich möglicherweise nicht unmittelbar für eine Impfung. Bestärken Sie sie darin, sich weiterhin mit dem Impfen auseinanderzusetzen und laden Sie zu einem erneuten Gespräch ein. Geben Sie Hinweise, wo gute Informationen angeboten werden.

 

 

 

Foto: ende/Photocase

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