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“Wir brauchen weniger Dogmen und mehr Flexibilität“

Ein kurzes Gespräch mit Carl Janssen, dem Leiter der Onkologie von Pfizer in Deutschland, über das, was es aus seiner Sicht zu lernen gilt und  das „Wie“. 

Was macht für Sie in der Onkologie medizinischen Fortschritt aus?

Janssen: „Es sollte stets um die Menschen gehen, die es betrifft. Krebs ist eine schwere Erkrankung. Fortschritt ist, wenn wir diese Erkrankung besser behandeln können: heilen, lindern, die Lebensqualität verbessern, das Fortschreiten aufhalten oder verlangsamen, eine belastende Therapie hinauszögern. In der Onkologie haben wir in den vergangenen Jahren viele und erhebliche Fortschritte gesehen. Und wir sind froh, dass wir als Unternehmen hier einen Beitrag leisten konnten.“

Ist Deutschland ein guter Standort für den Fortschritt in der Onkologie?

Janssen: „Grundsätzlich: Ja. Zum Beispiel ist es sehr gut, dass Medikamente in Deutschland direkt mit der Zulassung eingeführt werden können. So haben Ärzte und Patienten in aller Regel unmittelbar Zugang zu medizinischen Innovationen in Form neuer Medikamente. Auch ist das Land damit attraktiv für die klinische Forschung. Spitzenforschung, Spitzen-Krankenhäuser und gut ausgebildete und hoch engagierte Onkologen, Schwestern, Pfleger kommen hinzu. Und mit der ‚Dekade gegen den Krebs‘ werden ambitionierte Ziele gefasst und festgehalten. Auch für den medizinischen Fortschritt, der von uns kommt, wie die Entwicklung und weltweite Versorgung mit Onkologika, ist Deutschland ein wichtiger Standort. Die meisten der innovativen Krebsmedikamente, die Pfizer in Deutschland vertreibt, wurden in unserem Werk in Freiburg entwickelt und werden von dort für Patientinnen und Patienten in 150 Ländern produziert.

Grundsätzlich ja, aber … ?

Janssen: „Zum Beispiel ist der Bewertungsprozess, der im ersten Jahr nach der Einführung neuer Medikamente in Deutschland stattfindet, äußerst umfänglich, umständlich, unwägbar und berücksichtigt internationale Standards nicht. Die Leitlinien der Ärzteschaft und die Stimme der Patienten kommen ebenfalls zu kurz. Auch ist der Zugang zu Innovationen zwar meist schnell da. Die Innovationen kommen aber erst langsam bei den Patienten an. Zu den Gründen hierfür zählt auch, dass das System in Deutschland eine Erstattung der Medikamente vorsieht, aber beispielsweise für einige molekulardiagnostische Tests nicht, die für deren Einsatz erforderlich sind. So zum Beispiel werden im Bereich des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms jene Tests im Krankenhaussektor nicht durch die Fallpauschalen abgedeckt, obwohl gerade in diesem Feld viele neue Medikamente mit erheblichen Verbesserungen für Patientinnen und Patienten nach einer entsprechenden Testung verfügbar wären. Wenn wir für den Einzelnen die individuell beste Behandlung durch innovative Wirkstoffe erreichen wollen, müssen auch solche Hürden überwunden werden.“

Was müsste konkret geschehen?

Janssen: „Ein paar Punkte einer langen Liste: In der heutigen informierten Gesellschaft sollten die Patienten ein echtes Mitspracherecht, eine Stimme erhalten. Die fachliche Expertise der Ärzteschaft darf bei Entscheidungen nicht übergangen werden. In einem Bereich, der so dynamisch ist wie die Krebsmedizin, sollte statt Dogmen eine pragmatische, evidenzbasierte, dem Therapiegebiet entsprechende Lösungsorientierung im Vordergrund stehen. Verharren wir beim Status quo, besteht die Gefahr, dass Deutschland als Forschungs- und Industriestandort im internationalen Vergleich zurückfällt.“

Wie könnten solche lösungsorientierten Ansätze aussehen?

Janssen: „Insbesondere muss das System lernfähig sein und das Gelernte auch umsetzen. Wir dürfen den Blick für das Wesentliche nicht verlieren: Erkrankungen vermeiden und an Krebs erkrankte Menschen in Deutschland mit der aktuell bestmöglichen Therapie bestmöglich behandeln.“

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