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„Die nichtübertragbaren Erkrankungen dürfen durch die Pandemie nicht in den Hintergrund geraten.“

Dr. Manfred Werner, Senior Medical Scientific Relation Manager bei Pfizer Upjohn

Über 70 Prozent aller weltweiten Todesfälle gehen laut WHO auf sogenannte nichtübertragbare Krankheiten zurück. Warum wir diesen Erkrankungen auch und gerade während der COVID-19-Pandemie besondere Aufmerksamkeit schenken müssen, erklärt Dr. Manfred Werner, Senior Medical Scientific Relation Manager bei Pfizer Upjohn.

In den letzten Monaten lag der Fokus in fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens stark auf ansteckenden Erkrankungen, besonders auf COVID-19. Drohen andere Krankheiten dadurch in den Hintergrund zu geraten?

Die Gefahr besteht, zumindest, was die öffentliche Wahrnehmung angeht. Denn neben den Infektionskrankheiten, zu denen auch COVID-19 gehört, gibt es die große Gruppe der sogenannten nichtübertragbaren Erkrankungen. Darunter fallen alle Krankheiten, die nicht direkt oder indirekt von einer Person auf die andere übertragen werden können.

Welche Erkrankungen sind das?

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronische Atemwegserkrankungen, Diabetes, aber auch beispielsweise Krankheiten wie Arthritis, Arthrose, Grüner Star, die Alzheimer Erkrankung und psychische Störungen. Im Englischen spricht man kurz und knapp von NCDs, den sogenannten Non-Communicable Diseases. Obwohl nach Angaben der WHO 71 Prozent aller weltweiten Todesfälle auf NCDs zurückgehen1, hört man darüber momentan wenig. Dabei haben Patienten, die an einer nichtübertragbaren Erkrankung leiden, sogar ein doppeltes Risiko durch die Pandemie.

Inwiefern?

Zum einen ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie im Falle einer Infektion mit COVID-19 daran versterben. Laut einer aktuellen Veröffentlichung hatten 96,2 Prozent aller Patienten, die in Italien wegen einer COVID-19-Infektion im Krankenhaus verstorben sind, Grunderkrankungen, vor allem NCDs2. Zum anderen kann eine Infektion dazu führen, dass sich die Grunderkrankungen verschlechtern. Zum Beispiel bei der chronischen obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) oder bei Gefäßerkrankungen, da sich durch COVID-19 die Gerinnungsparameter im Blut verändern können.

Wie hat sich die COVID-19-Pandemie konkret auf Menschen mit nicht übertragbaren Erkrankungen ausgewirkt?

Ich habe von Ärzten gehört, dass Patienten mit akuten Ereignissen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt teilweise nicht ins Krankenhaus gefahren sind, aus Angst, sie könnten sich dort anstecken. Das ist natürlich gravierend, denn hier zählt oft jede Minute. Außerdem haben viele Patienten auch bei Symptomen, die sie normalerweise hätten abklären lassen, etwa Schmerzen in der Brust, den Arztbesuch so lange wie möglich aufgeschoben oder ganz ausfallen lassen.

Auch Arztpraxen und Krankenhäuser haben teilweise Termine abgesagt und verschoben, die nicht absolut notwendig waren.

Das ist ja auch nachvollziehbar, genau wie die Angst des Patienten vor einer Infektion. Aber das hatte zum einen zur Folge, dass viele Erkrankungen erst spät diagnostiziert wurden, zum anderen hat das auch Auswirkungen auf die Therapie. Die hat dann nämlich entweder später begonnen, als nötig, oder sie wurde gar nicht oder nur teilweise befolgt. Zum Beispiel, weil ein Patient aus Angst vor einer möglichen Ansteckung in der Arztpraxis oder beim Apotheker kein neues Rezept geholt und die Therapie dann ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt unterbrochen oder eigenmächtig die Dosis reduziert hat, um länger mit der vorhandenen Medikation hinzukommen.

Scheitert der Therapieerfolg also teilweise an der falschen Anwendung der Medikamente?

Man geht davon aus, dass in den europäischen Ländern 40 bis 50 Prozent der Patienten mit chronischen Erkrankungen ihre Medikamente nicht so einnehmen, wie mit dem Arzt vereinbart3. Das ist schon paradox. Während in den Entwicklungsländern Patienten oft gar nicht oder erst spät an eine Diagnose und adäquate Behandlung kommen, stehen die Therapien hier häufig zur Verfügung, werden vom Patienten aber teilweise nicht richtig genutzt.

Leiden Patienten mit psychischen Erkrankungen besonders unter der Pandemie?

Wir Menschen sind soziale Wesen, und der Corona-Lockdown hat uns alle mehr oder weniger stark beeinträchtigt. Dazu kommen Ängste vor einer möglichen Ansteckung, Ängste um den Arbeitsplatz, Ängste vor der Zukunft. Menschen mit einer psychischen Erkrankung trifft die Situation besonders hart. Depressionen können sich verstärken. Dazu kommt, dass sich aus den oben genannten Gründen die Versorgung häufig verschlechtert hat, die Patienten nicht zum Arzt gehen, keine Hilfe einfordern. Dabei sind gerade bei psychischen Erkrankungen eine engmaschige Betreuung und Therapie besonders wichtig.

Was kann man noch tun, um die Situation von Menschen mit nichtübertragbaren Erkrankungen zu optimieren?

Hier sollten wir viel früher ansetzen. Die Frage ist eher: Was kann man noch tun, um diese Erkrankungen zu verhindern? Es gibt nämlich zwei Gruppen von Risikofaktoren: die nicht modifizierbaren wie Alter und genetische Veranlagung, und die modifizierbaren wie Bewegungsmangel, Rauchen oder ungesunde Ernährung. Letztere spielen bei nichtübertragbaren Erkrankungen häufig eine große Rolle. Das Stichwort heißt also Prävention! Und wenn man doch erkrankt ist, geht es darum, entweder eine vollständige Genesung anzustreben oder ein Fortschreiten der Erkrankung möglichst zu verhindern. Das gelingt oft am besten mit einer integrierten Versorgung, wenn also verschiedene Fachrichtungen und Bereiche zusammenarbeiten, von den verschiedenen Fachärzten über die Physiotherapie bis hin zum Psychologen. Der Hausarzt spielt hier eine ganz wichtige Rolle, sozusagen als Dirigent im Gesundheitssystem.

Literaturverzeichnis

1. World Health Organization. Global Health Observatory (GHO) Data. NCD Mortality and Morbidity. [letzter Zugriff am 24.07.2020]. URL: https://www.who.int/gho/ncd/mortality_morbidity/en/

2. Kluge HHP et al. Prevention and control of non-communicable diseases in the COVID-19 response. Lancet. 2020 May 30;395(10238):1678-1680.

3. Leading the Conversation on Noncommunicable Diseases Worldwide: An Evidence-Based Review of Key Research and Strategies to Develop Sustainable Solutions. [letzter Zugriff am 24.07.2020]. URL: https://pfe-pfizercom-prod.s3.amazonaws.com/Upjohn_NCD_White_Paper-24JAN2020.pdf?cid=bn_upjohnSTATnews_0220_STATnewsletter

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