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Intro: Lernendes Gesundheitssystem - alles fließt!

Vor beinahe genau 136 Jahren war Deutschlands Gesundheitssystem eines, von dem andere lernen konnten: Der damalige Reichskanzler Otto von Bismarck erließ am 15. Juni 1883 das "Gesetz betreffend der Krankenversicherung der Arbeiter". Von da an waren Industriearbeiter und Beschäftigte in Handwerks- und Gewerbebetrieben krankenversicherungspflichtig. Damit war Deutschland das erste Land, das eine Sozialversicherung auf nationaler Ebene einführte.

Und heute? Was muss sich ändern, um bereit zu sein für die Zukunft?

Wie die Gesundheitssysteme anderer Industrienationen auch steht das deutsche vor großen Herausforderungen und wird ihnen entweder nur langsam oder bislang kaum gerecht.

Seit Jahren wird viel diskutiert – beispielsweise darüber:
  • den demographischen Wandel: Immer mehr Menschen leben länger – mit chronischen und oft mehreren Erkrankungen. Das treibt die Gesundheitsausgaben hoch.
  • Reparaturmedizin: Das deutsche Gesundheitssystem investiert in die Behebung von Schäden anstatt in ihre Vermeidung. Das System setzt falsche Anreize. Es fehlen die Anreize für Prävention und sprechende Medizin.
  • Eine Wissensexplosion in der Medizin. Sie findet zu langsam in die praktische Anwendung in der Fläche. Und immer bessere Therapien für immer kleinere Patientengruppen etwa in der Krebsmedizin, können nicht mehr über ‚die Masse’ finanziert werden: Es braucht neue Finanzierungsmodelle, um diesen medizinischen Fortschritt zu ermöglichen.
  • schleppende Digitalisierung: Neue digitale Möglichkeiten finden nur langsam Eingang in das System. Sie könnten den Arztkontakt für bestimmte Patientengruppen erleichtern (auf dem Land, für immobile Menschen oder bei einfachen Anliegen), für Transparenz in der Behandlung sorgen (auch gegenüber dem Patienten, etwa durch Open Notes) und die Forschung beflügeln (Real World Data).
  • zu wenig Beteiligung der Patienten: Der Patient ist im deutschen Gesundheitssystem der einzige, beim dem alle Fäden zusammenlaufen. Nur: Er ist kein Fachexperte. Es fehlt der „Kümmerer“, der Vermittler. Zumal Menschen in Deutschland große Probleme haben, Gesundheitsinformationen zu finden, einzuschätzen und zu nutzen.
  • zu wenig Kooperation zwischen den Sektoren: falsche finanzielle Anreize und dadurch fehlende Kooperation zwischen dem ambulanten und stationären Bereich sorgen für Fehl-, Über- oder auch Unterversorgung.

Kurz: Es gibt Handlungsbedarf im deutschen Gesundheitssystem. Vielen geht es zu langsam voran. Und viele Bürger gehen davon aus, dass die jetzige Situation – in der jeder schnell Zugang zu modernen Therapien erhält – in Zukunft schlechter wird.

Fortschritt für alle? Oder: Wie kommen wir zum „Lernenden Gesundheitssystem"?

Angesichts des heutigen Handlungsbedarfs ist ein „lernendes System“ notwendig, das zeitnah auf die Herausforderungen reagiert und so die Zugangsmöglichkeiten zum therapeutischen und technischen Fortschritt erhält. Ein lernendes Gesundheitssystem braucht den Austausch zwischen medizinischem Personal und Patient auf Augenhöhe sowie den der Akteure aus Forschung, Politik und Gesundheitswesen und Mittel, um evidenzbasierte Lösungsansätze rasch in die Praxis zu bringen.

 

Laut Definition ist ein lernendes Gesundheitssystem darauf ausgelegt, …

… die besten evidenzbasierten Erkenntnisse für gemeinsame Entscheidungen von Patienten und Leistungserbringern im Gesundheitswesen zu generieren und anzuwenden

… Erneuerung als natürliches Ergebnis der Patientenversorgung voranzutreiben

… und Innovation, Qualität, Sicherheit und Wert in der Gesundheitsversorgung zu gewährleisten".

Wir wollen in den kommenden Monaten mit Ihnen darüber diskutieren, was sich ändern muss – generell – und was es braucht, damit das deutsche Gesundheitssystem ein lernendes System wird.

 

 

Fotos: 

Teaser: pencake/Photocase

Artikel: clu/Getty

Was gibt es voneinander und von anderen zu lernen und wie kann das aussehen?

Kommentare

  1. Anonym

    Mein Name ist Theresa Schuster und ich bin 54 Jahre alt. Ich war Sachbearbeiterin im Bankensektor im Grossherzogtum Luxemburg. Mit 49 Jahren brach ich mit Verdacht auf Schlaganfall zusammen. Von da an begann meine Ärtzeodysee. Durch die Digitalisierung fand ich in Facebook die Selbsthilfegruppen zu ME/CFS Myalgische Enzephaloyemilitis/Chronic Fatique Syndrom. Eine neurologische-immunologische Multisystemerkrankung. Die Bestätigung das ich diese Krankheit habe bekam ich von der Immundefektambulanz in der Berliner Charite. Frau Professor Carmen Scheibenbogen und ihr Team sind die einzigen die diese Krankheit in Deutschland erforschen. Es gibt nicht genug Forschungsgelder, sie bieten Fortbildung für Ärzte an und trotzdem kennt kaum ein Arzt diese Krankheit. Eine Krankheit die alles andere als selten ist. Es wäre schön wenn das Gesundheitssystem mit dem Fortschritt geht und nicht zurück. Mittlerweile habe ich selbst eine Selbsthilfegruppe gegründet. Wir müssen auf allen Fronten kämpfen und werden uns völlig selbst überlassen. Wir brauchen Hilfe und zwar jetzt.

    vor 5 Monate
  2. Julie

    Wie wäre es wenn ALLE einen gleichen prozentualen Anteil in das Gesundheitssystem einzahlen - NIEMAND kann sich ausklinken,kein Arzt, kein Apotheker,kein Anwalt,kein Politiker,kein Konzernchef.... selbstverständlich darf man sich gerne zusätzlich privat versichern. Die Beitragsbemessungsgrenze fällt weg (warum sollte jemand der 10000€ oder 100000 € oder mehr verdient prozentual weniger bezahlen wie jemand der 5000€ verdient?)

    vor 5 Monate
  3. Fons

    Ein kleiner Schritt wäre: zum Spezialisten nur wenn der Hausarzt dies für notwendig achtet.

    vor 5 Monate
  4. Wolfgang

    Sehr richtig!

    vor 5 Monate

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