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9 Riesenschritte der Medizin seit 2010

Das Tempo des medizinischen Fortschritts ist enorm. Allein seit 2010 sind diese bahnbrechenden neuen Therapieansätze entstanden.

1. Körperteile aus dem 3D-Drucker

Dass man mit 3-D-Druck Seifenschalen, Kunststoffzangen oder industrielle Prototypen fertigen kann, ist vielen klar. Aber lebendes Material? Geht! US-Forschern gelang es schon vor einigen Jahren, eine Ohrmuschel und Blutgefäße mit 3D-Druckern herzustellen. Sie setzten auch neue Hautzellen direkt auf eine Wunde. Allerdings wurden größere Körperteile noch nicht an einen Menschen verpflanzt. Bis jüngst: Da transplantierten chinesische Wissenschaftler Kindern Ohrmuscheln aus 3D-Druckern. Die Technik könnte eines Tages für weitere Ersatzorgane und Körperteile eingesetzt werden, auch für Zahnersatz, Hörhilfen, Prothesen und zur Gesichtsrekonstruktion

Immuntherapie; Krebs; Fortschritt

Die rasterelektronenmikroskopische Aufnahme einer oralen Plattenepithelkarzinomzelle (weiß) , die von zwei T-Zellen (rot) angegriffen wird, die Teil des menschlichen Immunsystems sind.

2. Immuntherapien

Könnte man das körpereigene Immunsystem nutzen, um Tumore zu bekämpfen? Die Idee ist schon älter, doch in den letzten Jahren haben verschiedene Ansätze ihren Weg in die Klinik gefunden. Das Problem, für das an Lösungen geforscht wird: das Immunsystem erkennt die Krebszellen nicht als schädlich und wehrt sich deshalb nicht. Forschern ist es mittlerweile gelungen, Patienten eine bestimmte Art von Immunzellen, die so genannten T-Zellen, zu entnehmen, und gentechnisch so umzuprogrammieren, dass sie bestimmte Tumore identifizieren. Die derart gestärkten Zellen werden im Labor vermehrt und dem Patienten gespritzt. Diese CAR-T-Zelltherapie –  CAR steht für Chimeric Antigen Receptor – zeigte bei der akuten Lymphatischen Leukämie und beim diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom Erfolg. 

 

Eine andere Form der Immuntherapie ist die so genannte Kontroll-Punkt-Hemmung: Das Immunsystem wird normalerweise durch die Moleküle sogenannter Checkpoints ausgebremst, um sich nicht gegen seine eigenen gesunden Zellen zu wenden. Krebszellen nutzen diese Bremse aus und vermehren sich, ohne dass das Immunsystem sie erkennt. Neue Medikamente, die Kontrollpunkt-Hemmer, lösen diese natürliche Bremse, so dass das Immunsystem gegen den Krebs angehen kann. Diese Therapie kommt zum Beispiel gegen den Schwarzen Hautkrebs oder bestimmte Lungentumoren zum Einsatz.

Bei der so genannten unspezifischen Immuntherapie erhalten Patienten Botenstoffe des Immunsystems (Zytokine). Sie aktivieren dann Zellen des Immunsystems, die Tumorzellen angreifen und zerstören.  

3. Gentherapien

Seit Anfang der 1990er-Jahre denken Wissenschaftler intensiv darüber nach, mittels Gentherapie defekte Gene im Erbgut durch gesunde Kopien zu ersetzen, die zuvor im Labor synthetisiert wurden. Inzwischen wird die Idee zur Realität. Viel berichtet  wird derzeit über die Erfolge der Gentherapie mit ‚aufgepeppten’ Immunzellen in der Behandlung der Leukämie (siehe „Immuntherapie“). Potenzial sehen die Forscher unter anderem auch für die Behandlung von Brustkrebs.

2017 gelang es beispielsweise erstmals, einem Jungen mit „Sichelzellanämie“ – eine angeborene Erkrankung der roten Blutkörperchen – ein funktionierendes Gen einzuschleusen. Dazu werden einem Patienten Stammzellen entnommen, genetisch verändert und per Infusion wieder zugeführt. Eine bestimmte Art von Viren dient dabei als Genfähre – er ist in der Lage, Wirtszellen - wie in diesem Fall Krebszellen - dazu zu bringen, ihre DNA oder RNA zu vervielfältigen.  Auf diese Weise konnte der Teenager 15 Monate nach der Therapie ausreichend roten Blutfarbstoff produzieren, sodass seine Symptome  nicht mehr stationär behandelt werden mussten, berichten die Forscher. Er gilt als gesund.

Ebenfalls im Jahr 2017 verabreichten Forscher mittels AAV Viren Neugeborenen mit Spinaler Muskelatrophie  gesunde Gen-Kopien – bis jetzt mit ermutigendem Erfolg. Die Viren wandern über das Blut in das Gehirn und klinken sich samt ihrer Fracht in die Erbsubstanz der Zellen ein.  

4. Mit guten Bakterien gegen Krankheiten

Darmbakterien spielen für unsere Gesundheit eine größere Rolle, als bisher gedacht. Der Bakterienmix im Verdauungstrakt hat möglicherweise Auswirkungen auf unser Gehirn und bestimmt mit, wie wir denken und wie wir fühlen. Schon jetzt werden „gute“ Darmbakterien zur Behandlung gefährlicher Durchfälle und Darmerkrankungen eingesetzt. „Bakterielle“ Therapien könnten künftig auch bei Krebs oder Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn genutzt werden.

5. Sehen mit dem bionischen Auge

Menschen, die kaum noch sehen können, erkennen plötzlich wieder Konturen und Umrisse: Beim „bionischen Auge“ schickt eine Kamera, die in einer Brille verankert ist, elektrische Signale an ein Implantat in der Netzhaut. Dadurch werden die noch verbliebenen Netzhautzellen stark sehbehinderter Menschen so stimuliert, dass sie wieder schemenhaft sehen. Derzeit tüfteln australische Forscher daran, ob es mit einer Antenne am Kopf und einer Kamera auch gelingen kann, dass Blinde wieder sehen, ohne überhaupt die Augen zu aktivieren.

Leberzelle, Hepatitis

Eine menschliche Leberzelle

6. Neue Therapie gegen Hepatitis C

Bei der Hepatitis C – einer Leberentzündung, die von Viren ausgelöst wird – gibt es für etwa jeden dritten Patienten bislang keine Heilung. Ein neues Medikament kann nach bisherigen Erkenntnissen 95 Prozent der Betroffenen kurieren, in nur zwölf Wochen Behandlungszeit. Die bisherige Therapie dauerte fast ein Jahr lang. Das neue Wirkstoffprinzip verhindert, dass die krankheitsverursachenden Viren ihre Erbsubstanz zusammenbauen können.

7. Mit Neurostimulation gegen Epilepsie

50 Millionen Menschen weltweit leiden an Epilepsie und den damit verbundenen heftigen Anfällen, die meist aus dem Nichts kommen. Die Erkrankung beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich. 2013 wurde ein Sensor entwickelt, der die Gehirnströme überwacht und ungewöhnliche Aktivität kurz vor einem Anfall erkennt. Dann schickt der implantierte Sensor namens NeuroPace elektrische Impulse aus, die Anfälle stoppen, bevor sie überhaupt begonnen haben. Diese Neurostimulation könnte eines Tages auch bei anderen neurologischen, psychiatrischen oder chronischen Erkrankungen eingesetzt werden.

8. Vorläufer der künstlichen Bauchspeicheldrüse

Patienten mit Typ1-Diabetes droht immer wieder die Unterzuckerung. Deshalb müssen sie kontinuierlich ihre Blutzuckerwerte überprüfen. Ein neues Gerät misst automatisch alle fünf Minuten die Blutzuckerwerte und passt die Zufuhr von Insulin an, um den Glukose-Level im Blut zu normalisieren. Das Gerät wird außen am Körper angebracht und ist mehr als eine Insulinpumpe: Es ähnelt einer künstlichen Bauchspeicheldrüse.

9. Flüssige Biopsien für die Krebsdiagnostik

Die Präzision bisher entwickelter Tumormarker hat sich in der Vergangenheit als zu ungenau erwiesen. Denn vielfach sind die Tumormarker auch bei anderen Erkrankungen erhöht. Forscher an wissenschaftlichen Instituten und in Unternehmen entwickeln daher Tests, um Tumor-DNA in Wirbelsäulen-Flüssigkeit, Blut oder sogar Urin aufzuspüren. Diese wenig invasive Technik soll helfen, Tumore frühzeitig zu identifizieren – also in einem Stadium, wenn sie noch nicht lebensgefährlich sind. Liquid Biopsy könnte zukünftig auch zum Einsatz kommen, wenn der Verlauf von Krebserkrankungen beziehungsweise die Wahl der richtigen Therapie einzuschätzen ist. Denn immer mehr Krebstherapien richten sich gegen bestimmte Mutationen der Krebszellen, die es gilt, vor einer Therapie zu identifizieren.

 

Kommentare

  1. Anonym

    Nicht alle "Fortschritte" sind begrüßenswert. Wenn man aber sieht, welche Fortschritte in der Medizin so gemacht wurden und weiterhin gemacht werden, kann man doch froh sein!

    vor 3 Monate
  2. Anna Mühleder

    Ohne Fortschritt gäb's nur Stillstand! Natürlich wäre manchmal etwas "Entschleunigung" im Leben nicht schlecht, aber in der Medizin kann es oft nicht schnell genug gehen, Therapien usw. gegen bislang unheilbare Krankheiten zu finden.

    vor 3 Monate
  3. Peter Jürgens

    Für Fortschritt um jeden Preis bin ich auch nicht zu begeistern! Aber wenn es kranken Menschen oder Menschen mit Einschränkungen hilft, ist es natürlich zu begrüßen, wenn hier laufend Fortschritte gemacht werden!

    vor 2 Monate

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