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EIne Zahl und ihre Geschichte_Gesundheitskompetenz

Gesundheitskompetenz

Eine Zahl und ihre Geschichte - Teil 2

54,3 Prozent der Menschen in  Deutschland haben eine eingeschränkte oder unzureichende Gesundheitskompetenz. Der Befund der ersten repräsentativen Studie zur Gesundheitskompetenz der Deutschen der Universität Bielefeld schreckte 2016 viele auf. Mehr als jeder Zweite hat Schwierigkeiten in Gesundheitsfragen – das war im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich und so alarmierend, dass unter Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe ein Nationaler Aktionsplan Gesundheitskompetenz ins Leben gerufen wurde und Experten nun bis 2018 entsprechende Maßnahmen entwickeln wollen.

Der Begriff „Gesundheitskompetenz“ führt den Laien allerdings aufs Glatteis: Was nach PISA-Test für Erwachsene klingt, bei dem nun halb Deutschland durchgerasselt ist, war eine Befragung nach der Selbsteinschätzung. 2000 Teilnehmer ab 15 Jahren gaben in persönlichen Interviews an, wie leicht oder schwer es ihnen fällt, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und zu nutzen. Sie beantworteten 47 ganz anschauliche Fragen zur Krankheitsbewältigung, Vorsorge und Gesundheitsförderung, wie etwa:

Wie einfach oder schwierig ist es für Sie, ...

... Informationen über Therapien für Krankheiten, die Sie betreffen, zu finden?

... zu verstehen, was Ihr Arzt sagt?

... Angaben auf Lebensmittelpackungen zu verstehen?

... zu verstehen, warum Sie Impfungen brauchen?

Damit verraten die Zahlen der Studie also mindestens so viel über den Einzelnen wie über die Welt, in der sie leben: Gibt es verlässliche gesundheitliche Informationen in verständlicher Sprache und ist bekannt, wo? Lernt man schon in der Schule, wie man beurteilen kann, ob eine Information aus dem Internet seriös ist? Reden Ärzte Medizinerlatein oder finden sie eine Sprache, die den Patienten erreicht? Werden Gesundheitsinformationen auch in großer Schrift für Ältere, in Übersetzungen in andere Sprachen oder als Visualisierung verbreitet? Besonders betroffen von niedriger Kompetenz sind Menschen mit Migrationshintergrund (71 %), mit geringem Bildungsniveau, (62 %), mit niedrigem Sozialstatus (78%), mit chronischer Krankheit (73 %) und in höherem Alter (66 %) .

Holland, das im Acht-Länder-Vergleich vorn liegt, steckt viel Ressourcen in eine effiziente Kommunikation von medizinischen Fachleuten mit Patienten. Patienten haben in den Niederlanden eine starke Stellung und gestalten das Gesundheitssystem mit. Daneben gibt es auch ganz praktische Unterstützung, etwa durch speziell geschulte Apotheker, die Menschen mit geringer Kompetenz erkennen und intensiver beraten sollen. Oder eine Erinnerungs-SMS für den Arzttermin. Das zahlt sich aus: 71 Prozent der Holländer haben laut WHO eine ausreichende oder sehr gute Gesundheitskompetenz.

 

Quellen:

Doris Schaeffer (u. a.): Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland. Ergebnisbericht. Universität Bielfeld. Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Bielefeld Dezember 2016.

Ilona Kickbusch u. a. (Hg.): Gesundheitskompetenz. Die Fakten. Deutsche Fassung des WHO-Berichts veröffentlicht von der Careum Stiftung, Schweiz, gefördert u. a. vom AOK Bundesverband Deutschland.

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