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Was hat sich in einem Medizinerleben getan? Teil V

Lungenkrebs ist bis heute eine medizinische Herausforderung. Beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs machte die Medizin in den letzten 50 Jahren große Fortschritte. Bei der kleinzelligen Form liegt die große Hoffnung vor allem auf der Kraft der Prävention. Ein Gespräch mit  Prof. Dr. med. Rudolf M. Huber, ehemaliger Leiter des Lungentumorzentrums München

Wie therapierte man Lungenkrebs, als Sie ein junger Arzt waren?

Ich begann 1977 Patienten mit Lungenkrebs zu behandeln. Schon damals unterschieden wir zwischen kleinzelligen und nicht-kleinzelligen Tumoren. In frühen Stadien operierten oder bestrahlten wir sie. Oft bereiteten wir den Leuten mit der Strahlentherapie allerdings neue Probleme. Ihre Atemwege verengten sich beispielsweise, was weitere Behandlungen nach sich zog. Patienten mit fortgeschrittenen kleinzelligen Tumoren bekamen eine Chemotherapie. Beim weitaus häufigeren nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom hatte sich diese Therapiemöglichkeit noch nicht durchgesetzt. Wir hatten den Patienten also kaum etwas zu bieten. Die meisten Leute waren ein halbes Jahr nach Diagnose tot, wenn der Tumor Tochtergeschwulste gebildet hatte. Niemand riss sich damals darum, diese Patienten zu therapieren

Welche Fortschritte haben uns dahin gebracht, wo wir heute sind?

Die Patienten überlebten erst ab Mitte der neunziger Jahre länger. Damals zeigte uns eine große Metaanalyse deutlich, dass eine Chemotherapie auch beim nicht kleinzelligen-Lungenkarzinom einen Vorteil für die Patienten bringt. Seit 2000 wissen wir dank weiterer Studien, dass auch zusätzliche Chemotherapien vor und nach der OP lebensverlängernd wirken. Nach und nach entwickelte sich das Lungenkarzinom zu einer Erkrankung, bei der Chirurgen, Strahlenmediziner, Radiologen und Pathologen interdisziplinär zusammen nach der besten Therapie für den Patienten suchen. Vor ein paar Jahren kamen noch die Molekularbiologen dazu: Die Forschung hat festgestellt, dass genetische Veränderungen im Tumorgewebe Angriffspunkte für neue Medikamente bieten können. Mittlerweile gibt es eine Handvoll Medikamente gegen verschiedene solcher Mutationen. Man spricht hier auch von einer zielgerichteten Therapie. Sie ist ausschließlich Patienten vorbehalten, die diese genetischen Veränderungen aufweisen. Auf diese müssen sie vor einer Behandlung getestet werden. Ein weiterer Angriffspunkt beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs ist seit ein paar Jahren die Immuntherapie. Sogenannte Checkpoint-Inhibitoren stacheln die körpereigene Abwehr zum Kampf gegen den Krebs an. Zukünftig wird sich auch die Wirkung von Raucherpräventionsprogrammen noch deutlicher zeigen. Wir erinnern uns: Seit 2007 ist es verboten, in deutschen Lokalen zu rauchen. Das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken sinkt etwa zehn Jahre, nachdem Raucher mit dem Gequalme aufgehört haben.

 

Was erhoffen Sie sich von der Zukunft?

Die Immuntherapie zählt zu unseren großen Hoffnungen. Wir beginnen gerade erst zu verstehen, wie die Immunabwehr des Lungenkarzinoms dessen Wachstum steuert. Beide Therapien, die zielgerichtete und die Immuntherapie, wenden wir bisher nur beim nicht-kleinzelligen Karzinom im fortgeschrittenen Stadium an. Wir denken darüber nach, diese Behandlung früher zu beginnen. Das Fernziel wäre es, das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom in eine chronische Erkrankung zu überführen: Sobald ein Therapeutikum versagt, der Tumor also resistent geworden ist, setzt man das nächste ein. Teilweise gelingt uns das schon heute: Wir können Patienten durch wechselnde Medikamente bei guter Lebensqualität über Jahre helfen. Anders bei der kleinzelligen Variante: Da sind wir in den letzten 50 Jahren therapeutisch kaum weitergekommen. Es gibt nur vorsichtige Hoffnungen auf die zielgerichtete Therapie oder eine Immuntherapie. Aber vielleicht können wir den kleinzelligen Lungenkrebs eines Tages doch noch heilen, indem wir Auslöser wie das Rauchen noch konsequenter meiden, indem wir mit dem CT-Screening den Krebs früher entdecken und den Tumor und seine Abwehr besser verstehen.

 

 

 

Prof. Dr. med. Rudolf M. Huber (emeritiert) leitete die Sektion Pneumologie Innenstadt und Thorakale Onkologie Klinikum der Universität München und war Leiter des Lungentumorzentrums München.

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