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Dr. med. Annette Haberl, Leiterin des Bereichs HIV und Frauen, HIVCENTER des Universitätsklinikums Frankfurt

Fortschritt

Was hat sich in einem Medizinerleben getan? Teil II einer Serie

HIV: Ist die Erkrankung mittlerweile heilbar? Wo die Forschung heute steht und welche Behandlungsmöglichkeiten HIV-positive Patienten haben. Ein Gespräch mit Dr. med. Annette Haberl, Leiterin des Bereichs HIV und Frauen, HIVCENTER des Universitätsklinikums Frankfurt.

Wie therapierte man HIV, als Sie eine junge Ärztin waren?

Haberl: Als ich anfing zu arbeiten, war HIV ja erst ein gutes Jahrzehnt bekannt. 1981 waren die ersten Fallberichte von merkwürdigen Symptomen und Krankheitsbildern aus den USA gekommen: Junge homosexuelle Männer in Los Angeles litten an atypischen Lungenentzündungen. Ihr Immunsystem war stark geschwächt. Die französischen Forscher Luc Montagnier und Françoise Barré-Sinoussi entdeckten dann zwei Jahre später als Ursache der Erkrankungen das HI-Virus. Zu Beginn der HIV-Epidemie war man völlig hilflos und konnte nur die opportunistischen Infektionen so gut es ging behandeln. 1987 kam dann Azidothymidin als erstes HIV-Medikament auf den Markt. Allerdings stellte man bald fest, dass das HI-Virus dagegen rasch resistent wurde. Die HIV-Therapie zögerte die Erkrankung nur hinaus; die Patienten starben trotzdem.

Welche Fortschritte haben uns dahin gebracht, wo wir heute sind?

Haberl: Es wurden relativ schnell neue Wirkstoffe entwickelt, die an unterschiedlichen Stellen der Virusvermehrung eingriffen. Der Durchbruch kam 1996, als erstmals drei verschiedene Medikamente erfolgreich miteinander kombiniert wurden. Dank dieser sogenannten hochaktiven antiretroviralen Therapie, kurz HAART, konnte sich das Immunsystem der HIV-Patienten erholen; sie erkrankten nicht mehr so schwer, und die Sterblichkeit ging drastisch zurück. Anfangs war die Therapie allerdings eine Tortur. Die Patienten schluckten täglich 20 Tabletten und mehr, sie mussten stundenlang nüchtern bleiben, große Mengen trinken und hatten viele Nebenwirkungen – ihr ganzes Leben, der ganze Alltag war auf die Therapie ausgerichtet. Erst nach und nach wurden die HIV-Behandlungen einfacher und verträglicher. Auch die Resistenzentwicklung nahm ab. Heute habe ich in meiner Sprechstunde Patienten, die seit Mitte der 1990er erfolgreich behandelt werden. Ihnen geht es gut, trotz der jahrelangen Therapie, trotz der vielen Nebenwirkungen in den ersten Jahren!

Was erhoffen Sie sich in Zukunft für die HIV Behandlung und Therapie?

Haberl: Schon heute können wir die HIV-Patienten gut behandeln – die allermeisten führen ein ganz normales Leben. Unter diesen Umständen können wir aus klinischer Sicht relativ entspannt auf die Heilung von HIV warten. Vielleicht mit Antikörpern, die das Virus neutralisieren. Oder es wird eine  Impfung geben: Ein sogenannter Mosaik-Impfstoff hat in einer neuen Studie zwei Drittel der Affen vor einer HIV-Infektion geschützt. – Für die nahe Zukunft wünsche ich mir, dass wir die rund 13.000 HIV-Positiven in Deutschland finden und behandeln, die nichts von ihrer Diagnose wissen. Das gelingt aber nur, wenn niemand mehr aus Angst vor möglicher Diskriminierung den HIV-Test oder den Weg zum Behandlungszentrum scheut. Es braucht den Willen, Menschen mit HIV nicht nur medizinisch, sondern auch gesellschaftlich gut zu behandeln.

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