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Prof. Dr. med. Johannes Oldenburg, Direktor, Institut für Experimentelle Hämatologie und Transfusionsmedizin (IHT), Universitätsklinikum Bonn (AöR)

Fortschritt

Was hat sich in einem Medizinerleben getan? - Teil I einer Serie

Wie Hämophilie (die sogenannte Bluterkrankheit), HIV und Hepatitis durch die Forschung behandelbar geworden sind und wo die Chancen der Zukunft liegen, davon berichtet Prof. Dr. med. Johannes Oldenburg, Direktor des Instituts für Experimentelle Hämatologie und Transfusionsmedizin (IHT) am Universitätsklinikum Bonn (AöR).

Wie therapierte man die Hämophilie, als Sie ein junger Arzt waren?

Oldenburg: Zu meinen Studienzeiten bekamen die Patienten erstmals Gerinnungsfaktoren vorbeugend, die sie vor spontanen Blutungen und deren Komplikationen schützten. Damit konnten sie ein relativ normales Leben führen. Vorher waren sie nur bei akuten Problemen therapiert worden. Doch mit der Dauertherapie entstand ein Riesenproblem: Die Faktor-VIII-Konzentrate zur Behandlung von Hämophilie wurden damals ausschließlich aus menschlichem Spenderblut hergestellt, mit denen man auch gefährliche Viren übertrug. Jeder zweite Patient war damals HIV-positiv, alle steckten sich mit Hepatitis B und C an. Als ich 1992 als Arzt anfing, waren die Anfang der 1980er-Jahre erworbenen Infektionen unser größtes Problem. Viele Patienten starben, oft in meinem Alter. An den Folgen der HIV-Katastrophe Anfang der 1980er-Jahre leiden Patienten bis heute.

Welche Fortschritte haben uns dahin gebracht, wo wir heute sind?

Oldenburg: Mitte der 1960er-Jahre entwickelte die US-Amerikanerin Judith Graham Pool eine Methode, mit der sie aus gefrorenem Blutplasma das Faktor-VIII-Eiweiß isolierte – der Grundstein für das erste Faktor-VIII-Konzentrat. Das bekamen die Hämophilie-Patienten zunächst bei akuten Blutungen, später auch prophylaktisch. Seit Mitte der 1970er-Jahre konnten sie sich ihre Infusionen selbst zu Hause geben. In den frühen 1980er-Jahren begann die Virusinaktivierung; die aus Plasma hergestellten Faktorenkonzentrate wurden sicher. Seit Anfang der 1990er-Jahre verwenden wir gentechnisch hergestellte Faktor-VIII-Konzentrate. 2015 kamen erstmals Gerinnungsfaktoren mit längerer Halbwertszeit auf den Markt. Statt zwei bis drei Mal wöchentlich spritzen sich die Patienten mit einer Hämophilie B nur alle ein bis zwei Wochen. Seit 2018 ist ein spezieller Antikörper zugelassen, der sogar mehrere Wochen wirkt und den sich die Hämophilie-Patienten noch subkutan spritzen. Es gelingt uns auch immer besser, die Infektionen zu behandeln. HIV ist heute eine chronische Erkrankung mit normaler Lebenserwartung; eine Hepatitis können wir seit wenigen Jahren ohne große Nebenwirkungen heilen.

Was erhoffen Sie sich in Zukunft?

Oldenburg: Dass es uns gelingt, die Patienten zu heilen. Im Jahr 2010 gab es die erste erfolgreiche Studie mit der Gentherapie bei Hämophilie B, im vergangenen Jahr dann auch zur viel häufigeren Hämophilie A. Eingeschleuste Gene bringen den Körper dazu, den Gerinnungsfaktor wieder selbst zu bilden. Aktuell beginnen eine Reihe Phase-III Studien, in denen der Faktorspiegel durch die Therapie sehr deutlich gesteigert werden kann, teilweise sogar komplett normal ist. Trotz Rückschlägen rechne ich damit, dass wir etwa ein Fünftel der Patienten in fünf bis sieben Jahren gentherapeutisch behandeln. Aber auch die Faktorpräparate werden stabiler werden, so dass sich die Patienten noch seltener spritzen werden. Alternative Therapien wie die antikörperbasierten Medikamente werden die Hämophilietherapie in den nächsten zehn Jahren revolutionieren. Vielleicht brauchen wir die Gentherapie dann auch gar nicht mehr, bei der Langzeitnebenwirkungen noch nicht ausgeschlossen werden können.

Kommentare

  1. Anonym

    und warum erfindet ihr nicht etwas gegen Krebs, Diabetes, Bluthochdruck, Tinnitus, Herzinfarkt, Cholesterinspiegelerhöhung usw., diese banalen Erkrankungen raffen doch die Menschen hin, oder wollt ihr der Pharmaindustrie weiterhin so hohe Gewinne bescheren damit ja ausreichend Kranke zur Verfügung stehen. Bluter gibt es relativ wenig, man muß die allgemein sterblichen Krankheiten ausrotten die jeder zweite erleidet. Der Ansatz ist wirklich erschreckend, wir brauchen Hilfe bei den Massenphänomenen sonst platzt die gesamte Gesundheitsindurstrie an den steigenden Kosten. Bluthochdruck müßte niemand mehr haben, genauso wenig Diabetes, aber leider kümmert das die Forschung nicht im geringsten, wohl aber die Pharmaindustrie die gierig nach Geld schreiend die Medikamente vertickert

    vor 2 Tage
  2. Monika Benz

    Ich danke Ihnen sehr für den informativen Artikel.Meine Familie ist betroffen,als ich sehr klein war kamen Arzte von der uni Würzburg und nahmen mir und meinem Bruder Blut ab,obwohl meine Eltern gesund waren. Später erführ ich die Familie meiner Mutter hatte Häemophilie.Die schwester blutete mit 15 so stark bei Mensis das sie verödet wurde ,sie durfte nie kinder bekommen und starb nach Fahradunfall mit 33 weil sie blutkonserven brauchte und mit ihnen Hepatitis B bekam.Ihr Bruder hatte auch Häemophilie und bekam Hiv von den blutkonserven.Leider war ich zu klein und konnte nie herausfinden welche Gerinnungsfaktoren fehlten.Mein Bruder verzichtete auf kinder.ich ließ mich in Erlangen untersuchen und man sagte mir ich könne kinder bekommen.kein risiko.Heute habe ich zwei gesunde Mädchen ,werde in 3 Wochen Oma.die Angst steckt aber in mir ein Enkel könnte es erben.Ich drücke in Gedanken sie und ihre Kollegen die sich Tag täglich anstrengen und forschen um betroffenen zu helfen.Ich wünsche Ihnen eine gute Gesundheit und Glück.🤝🏻

    vor 2 Tage

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