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Carl Janssen, Fortschritt, Krebs, Gesundheitssystem, Deutschland

Fortschritt

"Das Gesundheitssystem muss den medizinischen Fortschritt mitgehen.“

Wir leben in einer Ära rasanten medizinischen Fortschritts. Unser Gesundheitssystem muss sich ändern, damit dieser Fortschritt bei den Patienten ankommt. Ein Plädoyer für dringend erforderliche Weichenstellungen von Carl Janssen, Leiter der Onkologie von Pfizer in Deutschland.

In den 1950ern verdoppelte sich das medizinische Wissen etwa alle 50 Jahre. 2010 dauerte es 3,5 Jahre. 2020 werden es Schätzungen zufolge nur noch 73 Tage sein. Wir leben in einer Zeit, in der Wissen und Fortschritt exponentiell wachsen. Die moderne Medizin hat im Kampf gegen Erkrankungen wie Krebs auf die Überholspur gewechselt. Große Potenziale stehen im Raum: eine zunehmend individualisierte Medizin, die auf den Bedarf des Einzelnen zugeschnitten wird. Erstmals besteht auch die Möglichkeit, Daten zusammenzuführen, auszuwerten und dadurch Krankheiten viel besser zu verstehen und gleichzeitig das Wissen über ihre Entstehung für die Prävention zu nutzen.

 

Als ich vor 25 Jahren mein Medizinstudium abgeschlossen habe, bedeutete Krebs in vielen Fällen ein nahendes Lebensende. Neben der Operation, die insbesondere bei frühen Formen eine Heilung bedeuten kann, und der Strahlentherapie stand vor allem die Chemotherapie zur Verfügung – mit bekanntermaßen belastenden Nebenwirkungen und bei vielen Krebsformen mit begrenzter Wirksamkeit.

 

Inzwischen bekämpfen wir Krebs auf molekularer Ebene, indem wir uns zum Beispiel bestimmte genetische Ausprägungen des Tumors zunutze machen. Da die Medikamente dieser personalisierten Medizin nur wirken können, wenn bestimmte Mutationen vorliegen, können auch nur bestimmte Patienten profitieren. Deshalb funktionieren solche Arzneien oft bei einem vergleichsweise kleinen Teil der Patienten, dort aber sehr wirkungsvoll.

 

Die Therapieoptionen werden immer vielfältiger

Seit wenigen Jahren macht sich die Krebsmedizin immer gezielter auch das menschliche Immunsystem zunutze: Krebszellen, die sich über bestimmte Mechanismen erfolgreich vor diesem verstecken konnten, werden ‚enttarnt’. In manchen Fällen gelingt es durch eine Aktivierung der körpereigenen Abwehrzellen sogar, den Krebs langfristig in Schach zu halten.

 

Die Therapieoptionen werden immer vielfältiger. Und aus der Kombination neuer Ansätze erwachsen zusätzliche Chancen – auch für Patienten, deren Krebs bislang nicht heilbar ist. Die Krebsforschung ist ‚Frontier Research’: Wir stoßen neue Türen auf, hinter denen sich wieder neue Wege verbergen.

 

Wenn wir jetzt noch mehr gemeinsame und standardisierte Datenbanken hätten, in denen entlang des Behandlungsprozesses Daten gesammelt werden, dann könnten wir die Forschung beschleunigen und die Therapien weiter verbessern und sicherer machen. Doch zahlreiche Einzelregelungen und wenig gemeinsames Vorgehen erschweren dies.

 

Den medizinischen Wert neuer Möglichkeiten anerkennen

Es gilt, den medizinischen Wert, den die neuen Möglichkeiten für Patientinnen und Patienten bieten, anzuerkennen. Bei neuartigen, besonders aufwändigen Therapien können alternative – zum Beispiel den individuellen Therapieerfolg berücksichtigende – Finanzierungsmodelle ein Ansatz sein. Auch wird es weiter an Bedeutung gewinnen, innovative Therapien frühzeitig einzusetzen, wenn wir ein Wiederauftreten der Erkrankung verhindern und Krebs damit heilen wollen. Die Maßstäbe für die Bewertung von Krebstherapien wurden vor einigen Jahren gesetzt. Auch sie müssen überdacht werden, wenn Deutschland den medizinischen Fortschritt mitgehen will.

 

Schauen wir speziell auf Deutschland, so haben wir die zweitälteste Bevölkerung der Welt nach Japan. Das heißt: Immer mehr Menschen erreichen ein höheres Alter. Dadurch haben wir auch eine wachsende Anzahl von Menschen mit Krebserkrankungen. Denn, obwohl wir Krebs heute viel besser behandeln können als früher, sind Menschen mit steigendem Alter statistisch häufiger von einer Krebserkrankung betroffen.

 

Prävention fördern, Teilhabe am Fortschritt sichern

Eine sehr wichtige, wenngleich nicht die alleinige Antwort darauf, ist das Thema ‚Prävention’: Wir sollten gleich starten und sie in aller Breite fördern!

 

Dabei kommt uns die derzeitige technische und gesellschaftliche Entwicklung sogar entgegen. Gesundheit ist für viele Menschen inzwischen ein aktiv gelebter Wert, eine Form des Lebensstils, und digitale Geräte sowie Apps machen daraus eine spannende, motivierende Sache. Noch nicht für jeden, aber schon für viele.

 

Wichtig ist jedoch, dass alle an den neuen Möglichkeiten, seien sie medizinisch, digital oder präventiv, teilhaben können. Der Fortschritt darf nicht an Strukturen des Gesundheitswesens scheitern. Lassen Sie uns gemeinsam den Fortschritt gestalten und die Rahmenbedingungen überprüfen und die nötigen Weichen stellen, damit er jedem zugute kommt.

Kommentare

  1. Savigue

    Das ist einfach nur wieder, gebt uns mehr Geld. Wenn der Erfinder der Impfung für die Kinderlähmung auch nur so gedacht hätte, gäbe es immer noch sehr viele gelähmte Kinder. Es gab mal eine Zeit des Idealismus, diese ist offenbar unwiederbringlich vorbei.

    vor 1 Tag

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