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Digitalisierung

Das heimliche Role Model – wie viel Kunde steckt heute im Patienten?

Wo bleibt der Arzt?

Schauen wir einmal auf die zwei Extreme bei der ärztlichen Zunft: Auf der einen Seite steht der alteingesessene „Halbgott in Weiß“, der dem Patienten schon auf der Türschwelle glaubt ansehen zu können, was dieser denn hat und was verschrieben werden sollte. Nach dem Polaritätsprinzip ist bekanntlich nichts ohne sein Gegenteil wahr – folglich finden wir auf der anderen Seite einen jungen Arzt, der von der zwar laienhaften aber dennoch medizinischen Kenntnis des Patienten beeinflusst wird oder diese gar fürchtet, da Ärzte sukzessive in einer Bringschuld stehen, ihre medizinische Sachkenntnis wie in einer unaufhörlichen Prüfungssituation jedem Patienten aufs Neue zu demonstrieren, da dieser kurz vorher im Internet nochmal mögliche Diagnosen und Therapieansätze nachgelesen hat. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es natürlich mannigfaltige Mischformen, die mal mehr zur einen und mal zur anderen Seite ausschlagen.

 

Die Journey des modernen Patienten zeigt das neue Verständnis vom Arzt: Es ist das eines Gate-Keepers, der das digitale Erkenntnisinteresse des Patienten berücksichtigt und proaktiv auf die medizinischen sowie nicht-medizinischen Faktoren der Patient Experience eingeht. Wie die Lufthansa seiner Zeit die Customer Experience des Flugerlebnisses mit einer Vielzahl von Faktoren außerhalb des Flugzeugs erweitert und optimiert hat, ist nun die „Patient Experience" an der Reihe. Das heißt auch, dass wir mit Blick auf die ärztliche Zunft aus evolutionärer Sicht an einem Scheideweg stehen. In Anlehnung an Darwins frühe Erkenntnisse aus der Evolutionsbiologie – Survival of the fittest – wird sich binnen der nächsten Jahre zeigen, welches Maß an „Digitalität“ die angenehmste „Patient Experience“ für den Patienten bringt und wie sich diese im weiteren Verlauf verändert. Wenn ich mich als Arzt vehement wehre, gegen den modernen Patienten und die Veränderungen, die die Digitalisierung für das Arzt-Patienten-Verhältnis mit sich bringt, wird das Konsequenzen haben. Das gilt aber auch für die digitalen Innovatoren der Ärzteschaft, die ihre Patienten mit modernen Technologien teilweise abschrecken oder sogar abhängen. Hier ist - wie so oft - Fingerspitzengefühl gefragt.

 

 

Moritz E. Behm ist selbstständiger Unternehmensberater, Keynote Speaker und Dozent für Innovationsmanagement, Projektmanagement und Digital Health

 

Fotos: Moritz Behm, privat, Bild Bühne: Getty Images, David_Ahn

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