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Das denken PatientInnen, medizinisches Fachpersonal und andere User über die ePA

Seit dem 1. Januar 2021 haben gesetzlich Versicherte ein Anrecht auf die Nutzung einer elektronischen Patientenakte (ePA). Diese wird von den Krankenkassen kostenlos bereitgestellt und soll viele bisher analog oder in Papierform ablaufende Arbeitsschritte vereinfachen. 

Meinungen aus unserer Facebook-Community

Uns interessierte, was die Facebook-Community über die elektronische Patientenakte denkt. Und es wurde ein buntes Stimmungsbild: Bedenken wegen der Datensicherheit sind ein großes Thema. Bei Personen, die aber direkt betroffen sind - sei es PatientInnen oder medizinisches Fachpersonal, überwiegen klar die Vorteile, die die ePA mit sich bringt:

Stimmen von Patientinnen und Patienten

„Mein Freund ist schon etwas älter und sein Gedächtnis lässt nach. Wenn ihm etwas zustoßen sollte, wäre eine solche Karte eventuell lebensrettend.“

 

„Meiner Meinung nach ist das prinzipiell eine gute Sache. Es sollte aber auf jeden Fall auf freiwilliger Basis erfolgen. Ich leide an einer relativ seltenen Tumor-Erkrankung und bin froh über jede Information, die meine behandelnden Ärzte schnell und problemlos bekommen. Selbst die in meinem Fall in Deutschland führenden Top Teams, die Onkologen der Uni Klinik München sowie der Uni Klinik Heidelberg, arbeiten völlig unabhängig voneinander. D.h. in beiden Krankenhäusern fand innerhalb eines sehr kurzen Zeitraumes eine komplette Erst-Anamnese statt, mit allen Untersuchungen (Ausnahme CT, das hatte ich auf einer CD dabei). Ich wäre mit einer elektronischen Erfassung sehr einverstanden, muss allerdings sagen: ich bin seit Jahren selbstständig, privat versichert und in einem gewissen Alter. Mir ist es tatsächlich egal, wer meine Daten sieht. Das ist sicher nicht bei jedem Patienten so (Arbeitgeber, Krankenkassen)!!“

 

„Als chronisch Kranke mit häufigen Krankenhaus-Aufenthalten, möchte ich Ihnen widersprechen. Bei jeder Aufnahme dauert es Stunden, bis ich ärztlich untersucht werde und endlich ins Zimmer komme. Was daran liegt, dass man etliche Zettel auf verschiedenen Stationen mit vielen Angaben ausfüllen muss und jedes Mal die gleichen Fragen beantwortet. Die Digitalisierung würde ich hier befürworten.“

 

Ich habe damals unterschrieben, dass man meine Daten anonym weiterleiten darf. Damit man aus diesem Fall lernen kann. Dazu braucht man keine elektronische Karte. Ich weiß, dass meine Daten nur an Stellen gehen, die auch an dieser Krankheit forschen. Und das ist auch gut so. Die meisten kranken Menschen würden das tun, wenn man sie darum bittet. Auch Patienten, die an Studien teilnehmen, geben ihre Daten frei.”

 

“Mir würde es reichen, wenn alle wichtigen Daten auf der Chipkarte gespeichert werden. Ich war unlängst im Krankenhaus. In der Notaufnahme fragen sie alle Gesundheitsdaten ab. Dann auf der Station das Ganze nochmal. 2 Tage später kam der Narkosearzt du dasselbe noch einmal. Dann stellte man fest, dass man die OP nicht machen kann. Ab ins nächste Krankenhaus - und man höre und staune diesmal nur 2x die Abfrage, aber dafür ein riesiger Fragebogen zum Datenschutz in 2facher Ausführung. Das schönste ist dann die Visite. Da wird dann alles rausposaunt was man für Leiden hat und das neben den anderen Mitpatienten, die Putzfrau war auch anwesend. Soviel zum Datenschutz.”

Stimmen von Usern mit mutmaßlich medizinischem Hintergrund

“Wenn Sie wüssten, was es in der Klinik jeden Tag an Zeit frisst, wo ich mühsam versuche an die Vorbefunde oder wenigstens die Dauermedikation heranzukommen, um mir einen Überblick verschaffen zu können. Man hätte deutlich mehr Zeit für Patientengespräche, wenn man nicht ständig diesen ganzen analogen Dokumentationsschrott abarbeiten müsste inkl. kiloweise Papiermüll aufgrund von Faxgeräten etc. Alle, die eine schnelle, zeiteffektive, fachlich gute Behandlung haben möchten, sollten die Möglichkeit haben alle medizinisch relevanten Daten auf der Karte zu haben. Wer das nicht will, soll es sein lassen. Ist ja auch keiner gezwungen sich Nachrichten im Internet anzuholen und kann weiterhin Zeitung lesen.”

 

Ich habe bspw. 20 min Zeit pro Patient. 10-15min verbringe ich aktuell meist damit irgendwelchen Vorbefunden hinterherzulaufen, die ich ansonsten direkt einsehen könnte. Jede gesparte Minute in der Administration kommt der Patientenversorgung zugute. Ich bin seit über 10 Jahren hauptberuflich dahingehend unterwegs - glauben Sie einfach mal den Menschen, die jeden Tag damit zu tun haben.”

 

“Wenn ich bspw. 20min Zeit habe für einen Patient:in dann ist das der Kasse egal wie viele Minuten für Dokumentation draufgehen und wie viele Minuten für ein Gespräch. Im Zweifel muss man am Gespräch sparen, weil man an der Dokumentation nicht sparen kann - alleine schon aus rechtlicher Absicherung. Im Zweifel nimmt man sich dann halt 30min pro Patient:in, wenn man nichts vernachlässigen möchte. Wenn ich jetzt für jeden Patient:in 30min brauche statt 20min dann habe ich bei einem Tag mit 8 Stunden halt nur Zeit für 16 Patienten anstatt 24. Das bedeutet (ganz theoretisch gesehen), dass jeden Tag 8 Patienten keinen Termin beim Arzt bekommen und sich der Zeitpunkt der Behandlung nach hinten verschiebt. Wenn man durch Digitalisierung Zeit einsparen könnte für Arbeit, die man eh machen muss, dann würden dadurch auch die Patient:in durch kürzere Wartezeiten profitieren.

„Ich kenne mich ein bisschen aus, weil ich selber seit 10 Jahren hauptberuflich in der Medizin unterwegs bin. Und die Digitalisierung würde deutlich mehr Vorteile für Arzt und Patienten bringen als eventuelle Nachteile.”

 

“In Schottland, dank des nationalen Systems, hatten wir vor 20 Jahren ein nationales Krebsregister (heute vermutlich auch noch, aber ich lebe seitdem nicht dort). Jeder Krebs wurde dort registriert, zusammen mit Behandlung und Resultaten, und das konnte, mit den gesammelten Daten, Richtungen angeben in Bezug auf welchen Krebs, welche Behandlung ansprach. Das war/ist eine gute Sache.”

 

“Wenn Patienten eine längere Vorgeschichte haben mit unterschiedlichen Erkrankungen kann es sehr wichtig sein, alle Befunde und Therapien übersichtlich darzustellen. Hier den Datenschutz ins Spiel zu bringen, halte ich für Fortschrittsverhinderung. Letztlich sollte das Tool zur Verfügung stehen. Wer das ablehnt, sollte die Freiheit haben, ohne ausführliche Befundlage zum Arzt zu gehen, wie bisher.”

 

„Traurig wie viele Menschen sich immer noch vor dem Fortschritt fürchten und wilde Theorien zulassen, um ihn verhindern zu können. Deshalb hinken wir in Deutschland mit allem hinterher und andere machen damit dann das Geld.“

 

Ablehnende Stimmen

“Ich bin gegen diese elektronische Daten-Geschichte auf den Karten! Wie soll ich da noch von einem zweiten oder dritten Arzt eine neutrale Meinung bekommen, wenn er vorher schon die Meinung seiner Kollegen kennt?”

 

„Das ist dann nicht der gläserne Bürger, sondern auch noch der gläserne Patient.“

 

Auf welchen Servern soll das denn alles gespeichert werden und wird die digitale Währung in Zusammenhang mit der elektronischen Patienten Akte gesetzt? Viele kleine digitale Bausteine einer Person, die dann völlig transparent sind?”

 

“Hat alles Vor- und Nachteile: ein Arzt kann dann sofort sehen, welche Vorerkrankungen, welche Medikamente usw. Der Patient hat. Aber der Datenschutz - wer garantiert mir, dass nur der Arzt es zu sehen bekommt!?”

 

“Freiwillig ist was anderes. Genau das sollte auch so bleiben. Die Persönlichkeitsrechte dürfen nicht übergangen werden. Ich stelle wenig Privates ins Netz. Denn wie man weiß, auch über den eigenen Tod hinaus, bleibt alles gespeichert, selbst wenn man die Seiten von User-Seite aus löscht. Gesetzlich erzwungen sollten persönliche Krankendaten jedenfalls nicht werden. Auch nicht durch einschränkende Auflagen, wie öffentliche Aktivitäten, an denen man nur teilhaben darf, wenn der digitale Gesundheitspass es zulässt. Wer beispielsweise HIV, Hepatitis oder andere Tabu-Krankheitsbilder hat, würde gewiss dadurch benachteiligt werden. Auch ist es schrecklich für Patienten, wenn sie nie sicher sein können, wer alles Zugang zu ganz intimen Daten erhalten kann und dieser Zugang wird nie ganz sicher sein. Also wenn dann absolut freiwillig ohne Einschränkungen. Die Patienten sollten immer entscheiden dürfen, was digital registriert wird und was nicht.”

 

„Nur mehr Arbeit für die Arztpraxen und kein Gewinn an Zeit für den Patienten!“

 

“Mehr Zeit? Aber bestimmt nicht für den Patienten selbst. Höchstens für noch mehr Patienten. Man hat ja jetzt schon das Gefühl wie auf einem Bahnhof. Rein und raus, wie bei einer Massenabfertigung.”

 

“Meilenstein oder Sargnagel. Damit sich Ärzte besser über mich austauschen? Oder wer auch immer? Ich gehe zu einem Arzt, dem ich vertraue, wo auch mein Gefühl dafür eine Rolle spielt. Das was hier kommt, wird keine Arzt-Patienten-Beziehung. Zum Glück aus meiner Sicht nur freiwillig.”

 

“Fortschritt bedeutet nicht, dass es für den Patienten ein Fortschritt ist. Im Gegenteil: der Patient bleibt menschlich auf der Strecke. Dabei brauchen kranke Menschen gerade auch das Menschliche beim Arztbesuch. Das ist jetzt schon alles auf ein Minimum reduziert und wird sicher nicht besser durch mehr Digitalisierung.”

 

 

Foto: Shutterstock

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