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Was das Gesundheitswesen aus Covid-19 lernen kann

Lesezeit: 4 min.

COVID-19 hat zu einer nie zuvor dagewesenen Nutzung von Telemedizin geführt und beförderte die Einführung neuartiger Lösungen wie Apps zur Kontaktverfolgung oder digitale COVID-19-Zertifikate. Aus der Evaluation dieses beschleunigten Digitalisierungsprozesses ergeben sich mehrere interessante Schlussfolgerungen. Ein Bericht von Digital Health-Journalist und Autor Artur Olesch.

Vor der Pandemie wurde der Digitalisierungsprozess im Gesundheitswesen hauptsächlich durch den politischen Rahmen ausgebremst. Zwar war die Technologie schon mehrere Jahre verfügbar, wartete aber noch auf günstigere Bedingungen, um sich zu entwickeln. Was fehlte, war ein günstiges regulatorisches Umfeld und der Druck, alte Gewohnheiten zu ändern – das zeigt der neue Bericht „State of Health in the EU“ vom European Observatory on Health Systems and Policies.

Aus dem "Gang zum Arzt" wurde die "Verbindung mit dem Arzt"

In den letzten zwei Jahren stieg die Nutzung von Fernberatungs-Technologien in den EU-Mitgliedstaaten deutlich an. Seit der Pandemie ist der Prozentsatz der EU-Bürger:innen, die einen Arzt / eine Ärztin aus der Ferne (online oder telefonisch) konsultiert haben, von 28,7 % im Juni/Juli 2020 auf fast 38,6 % im Februar/März 2021 gestiegen.

Der stärkste Anstieg wurde in Spanien beobachtet, wo 71,6 % der Bevölkerung die Fernberatung in Anspruch genommen haben. Spanien hatte aufgrund der schnell steigenden Zahl der COVID-19-bedingten Todesfälle einen der strengsten Lockdowns Europas eingeführt. In Bulgarien, Finnland, Ungarn, Irland und Lettland ist die Nutzung der Telemedizin um 50 % gestiegen.

Ohne genaue Daten ist Public Health höchst ineffizient

Schon vor der COVID-19-Pandemie haben die meisten europäischen Länder digitale Instrumente im Gesundheitswesen genutzt. Ohne sie wäre die Überwachung und Kontrolle von Infektionskrankheiten nicht möglich. Ihre Genauigkeit und Zugänglichkeit hängt von den Berichten ab, die von der vordersten Front – den Gesundheitseinrichtungen – übermittelt werden.

Zum ersten Mal wurden mobile Apps als Pandemieüberwachung eingeführt. Apps zur Kontaktverfolgung wurden zu einem wichtigen Bestandteil einer wirksamen COVID-19-Eindämmungsstrategie. Public-Health-Organisationen merkten schnell, dass die manuelle Weitergabe von Informationen über die Notwendigkeit einer Quarantäne entweder nicht durchführbar oder äußerst ineffizient ist.

Über den European Federation Gateway Service haben 18 von 22 nationalen Apps gemeinsame Protokolle für den grenzüberschreitenden Austausch von Schlüsseln zur Ermittlung von Kontaktpersonen verwendet. Gleichzeitig haben die mobilen Apps eindeutig gezeigt, dass der Grad der Technologieübernahme vom sozialen Vertrauen abhängt.

In einer schwierigen Situation wie einer globalen Pandemie ist jedes Instrument, das die Bedrohung verringern kann, nützlich. Hat es funktioniert? Dazu sind weitere Untersuchungen erforderlich, um Schlussfolgerungen für die Zukunft zu ziehen.

Die administrative Hemmung von Innovation schadet Patient:innen

Nachdem deutlich wurde, dass die Digitalisierung den Zugang zu medizinischen Leistungen während einer Pandemie verbessern kann, haben viele Länder neue, digitalfreundliche rechtliche und administrative Lösungen eingeführt. Einschränkungen wurden aufgehoben, etwa die Vorschrift eines persönlichen Erstkontakts mit dem Arzt oder der Ärztin. Während dieser Ansatz noch vor wenigen Jahren gerechtfertigt gewesen sein mag, hat er heute seine Bedeutung verloren.

Während der Pandemie konnten Menschen mit chronischen Krankheiten schnell elektronische Rezepte für die von ihnen benötigten Arzneimittel erhalten. Der Anteil der europäischen Einwohner, die angaben, seit Beginn der Pandemie ein Fernrezept erhalten zu haben, ist von 43 % im Juni/Juli 2020 auf fast 53 % im Juni/Juli 2021 gestiegen.

Die meisten Länder haben die Vergütung für Teleberatungen auf das Niveau einer persönlichen Beratung in einer Arztpraxis angehoben. Infolgedessen haben die Ärzte in bessere Ausrüstung und Cybersicherheit investiert, was sich unmittelbar auf die Qualität der Online-Beratungen auswirkt.

Die digitale Kluft überwinden: Es braucht zentrale Infrastrukturen

COVID-19 hat auch eine Aufstockung der Mittel für die öffentliche E-Health-Infrastruktur ausgelöst. So hat Frankreich beispielsweise 2 Mrd. EUR für Investitionen bereitgestellt, um interoperable, sichere Software in allen Gesundheitseinrichtungen zu implementieren und die IT-Systeme, die die nationale digitale Gesundheitsinfrastruktur unterstützen, zu verbessern.

Im Rahmen seines nationalen Konjunkturprogramms hat Belgien 40 Millionen Euro für die Entwicklung eines Bündels von E-Health-Diensten bereitgestellt. Sie sollen die Möglichkeiten zur Ausstellung elektronischer Rezepte erweitern und zur Entwicklung digitaler Systeme führen, die die klinische Entscheidungsfindung unterstützen und die Nutzung von Telegesundheitsdiensten steigern.

Covid-Zertifikate – wie sich digitale Gesundheit und Datenschutz vereinbaren lassen

Ein positives Beispiel, von dem sich in Zukunft jeder inspirieren lassen sollte, ist wohl die Einführung des digitalen Covid-Zertifikats der EU – ein universelles Dokument, das als Nachweis für eine Impfung, ein negatives Testergebnis oder eine Genesung dient. Das Zertifikat wird in allen 27 EU-Ländern und auch außerhalb der EU anerkannt. Bis Ende 2021 haben die Gesundheitsbehörden in ganz Europa mehr als 807 Millionen COVID-19-Bescheinigungen ausgestellt, wovon mehr als zwei Drittel auf Impfbescheinigungen entfallen. Die einfach zu handhabende Bescheinigung, verfügbar auf dem Smartphone, hat sich zu einem der am häufigsten verwendeten Dokumente entwickelt, die das tägliche Leben während der Pandemie erleichtern.

Für einige Länder war das COVID-19-Zertifikat die erste implementierte E-Health-Lösung. Es hat sich gezeigt, dass eine gut vorbereitete digitale Infrastruktur die schnelle Einführung weiterer Dienste ermöglicht, je nach den aktuellen Erfordernissen des Gesundheitssystems.

Grafik: Shutterstock

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